Mi, 23. Mai 2018

Staus "bestellt"

09.01.2014 16:44

"Bridgegate" lässt Republikaner-Hoffnung zittern

Der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, galt bisher als große Hoffnung der Konservativen im Rennen um die Nachfolge von Präsident Barack Obama im Weißen Haus. Nun hat aber ein bizarrer Skandal den Republikaner in arge Bedrängnis gebracht: Eine enge Mitarbeiterin soll ein Verkehrschaos "bestellt" haben - als Rache für mangelnde politische Unterstützung. US-Medien sprechen - in Anlehnung an den Watergate-Skandal - bereits von einem "Bridgegate".

Eine enge Beraterin des Gouverneurs hatte sich demzufolge vor dessen Wiederwahl Anfang November an den für die George-Washington-Brücke zuständigen Leiter der Verkehrsbehörde gewandt: Es sei "Zeit für ein paar Verkehrsprobleme in Fort Lee", schrieb Bridget Anne Kelly. Die E-Mail wurde am Mittwochabend mehreren US-Medien, darunter der "New York Times", zugespielt.

Christie war mit der Unterstützung mehrerer demokratischer Bürgermeister wiedergewählt worden. Einer, der sich in den Monaten vor der Wahl nicht für ihn eingesetzt hatte, war der demokratische Stadtchef von Fort Lee, Mark Sokolich. Anfang September wurden in seiner Stadt, die nur durch den Hudson River von Manhattan getrennt ist, plötzlich für mehrere Tage zwei von drei Zugangsstraßen zur George-Washington-Brücke in Richtung New York gesperrt. Die Folge waren massive Verkehrsprobleme in Fort Lee.

Tagelanger Stau wurde zu Politikum
Der vier Tage andauernden Stau auf der Hauptverkehrsader in die Acht-Millionen-Metropole wurde schnell zum Politikum: Notarztwagen blieben im Verkehr stecken, auch Schulbusse kamen nicht durch. Christie und die Verkehrsbehörde Port Authority begründeten die Sperrungen damals mit der Durchführung einer Verkehrsstudie.

Dazu, dass zahlreiche Schüler von Fort Lee nicht in die Schulen kamen, soll Christies Beraterin Kelly laut der "New York Times" in einer späteren E-Mail geschrieben haben, dies seien "die Kinder von Buono-Wählern". Barbara Buono war Christies demokratische Gegenkandidatin bei der Gouverneurswahl.

Gouverneur will von Vorgängen nichts gewusst haben
Nach Bekanntwerden des Schriftverkehrs dementierte der Gouverneur, von den Vorgängen gewusst zu haben. In einer Erklärung machte er sein Büro für den Vorgang verantwortlich. "Was ich heute erstmals erfahren habe, ist nicht annehmbar. Ich bin empört und zutiefst getroffen von der Nachricht, dass eine Mitarbeiterin mich hinters Licht geführt hat. Ich war über ihr völlig unakzeptables und eigenwilliges Handeln nicht informiert", hieß es in der offiziellen Verlautbarung.

Der zuständige Leiter der Verkehrsbehörde war nach ersten Vorwürfen wegen der Sperrung von seinem Posten zurückgetreten. Er soll sich laut "Washington Post" nun am Donnerstag vor einer Ermittlungskommission zu den Vorgängen äußern.

"Racheakt" lässt präsidiale Hoffnungen schwinden
Dem Republikaner Christie dürfte der "Racheakt" seiner Mitarbeiter im Wahlkampf 2013 jedenfalls nachhaltig schaden, befanden US-Medien. Es sei schwer vorstellbar, was Christies Anhänger Schlimmeres hätten tun können um dessen präsidiale Hoffnungen zu beschädigen, kommentierte etwa die Tageszeitung "USA Today" auf ihrer Website. Christie galt bisher als einer der aussichtsreichsten konservativen Kandidaten für die US-Präsidentenwahl 2016.

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