Fr, 20. Oktober 2017

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06.04.2013 09:00

Belmondo: Auch mit 80 noch nicht außer Atem

Jean-Paul Belmondo hat nicht nur vor der Kamera als Draufgänger, Gauner und Boxer harte Schläge einstecken müssen. Auch das Leben hat den Kultschauspieler nicht immer mit Samthandschuhen angefasst: Krankheit und private Schicksalsschläge haben den einstigen Schönling gezeichnet. Doch Belmondo ist ein Kämpfer, wie in seinen Filmen. Den durch einen Schlaganfall geschwächten Darsteller, der am Dienstag, dem 9. April, 80 Jahre wird, zieht es wieder vor die Kamera.

Sein jüngstes Projekt: Eine Gangsterkomödie von Claude Lelouche, in der er einen alten Verbrecher auf der Flucht spielt. Selbstironie zählte schon immer zu seinen Stärken. Belmondo hat bereits vor mehr als 40 Jahren in "Der Mann, der mir gefällt" mit dem französischen Regisseur gedreht. Damals steckte der heute 75-Jährige den Schauspieler in die Rolle eines Komponisten, der sich in eine Schauspielerin verliebt.

"Außer Atem" machte ihn zum Star
Herzensbrecher, Draufgänger, Rebell: Damit begann Belmondos Filmkarriere. Im Jahr 1959 gab Jean-Luc Godard dem damals 26-Jährigen die Hauptrolle in "Außer Atem". Der Film ging als Meisterwerk der Nouvelle Vague in die Filmgeschichte ein und Belmondo, der den Kleinkriminellen Michel spielt, wurde auf einen Schlag zum Star.

Frankreichs größte Regisseure wie Francois Truffaut, Louis Malle und Claude Sautet rissen sich um den jugendlichen, unerschrockenen Typ in engen Jeans und knapper Jacke. Wie kein anderer spielte er in den 60er- und 70er-Jahren mit seiner persönlichen Anziehungskraft, seiner Ungezwungenheit und Selbstironie. Für den Regisseur Jean-Pierre Melville war Belmondo einer der außergewöhnlichsten Schauspieler seiner Generation.

Kultfigur des französischen Kinos
Belmondo kann auf eine atemlose Karriere zurückblicken: knapp 100 Kinofilme und mehr als 40 Theaterrollen. Filme wie "Und dennoch leben sie" mit Sophia Loren, "Eine Frau ist eine Frau", "Die Millionen eines Gehetzten" und "Angst über der Stadt" ließen ihn zu einer Kultfigur des französischen Kinos werden. Neben Alain Delon profilierte er sich als einer der wandlungsfähigsten Darsteller in allen Genres.

Als Bösewicht vom Dienst oder französischer Widerstandskämpfer, der in "Das As der Asse" Juden aus Hitlers Villa rettete, imponierte er durch seine Lust auf Risiko und spektakuläre Szenen. Als Actionheld kam er in über 70 Filmen ohne Double aus. Unerschrocken hing er am Hubschrauber, sprang über fahrende Züge oder erklomm den 320 Meter hohen Eiffelturm. Als er sich in "Der Boss" bei einem Stunt eine Kopfverletzung zuzog, machte er mit seinen halsbrecherischen Unternehmen Schluss. Da war er 52.

Nach Schlaganfall wieder vor der Kamera
Belmondo ist kampferprobt. Das lehrten ihn das Kino und das Leben. Vom Berufsboxer hat er sich über das Wandertheater hoch gekämpft bis in den Kinoolymp. Um dann wieder tief auf die Erde zu fallen. Zunächst in den 1980er-Jahren, als sich das Kino von ihm abwandte und er wieder zu seinen Anfängen, dem Theater, zurückkehrte. Nach seinem Schlaganfall im Jahr 2001 war er halbseitig gelähmt und konnte kaum sprechen. Sieben Jahre später drehte er in der Neufassung des Klassikers "Ein Mann und sein Hund" von Vittorio de Sica wieder seinen ersten Film. Darin spielte er einen vereinsamten alten Mann.

Vom einsamen Mann am Stock bis hin zum alten Verbrecher auf der Flucht. So schnell lässt sich Bebel, wie die Franzosen ihren greisen Star noch immer liebevoll nennen, nicht unterkriegen. Auch die Trennung von seiner mehr als 40 Jahren jüngeren Lebensgefährtin Barbara Gandolfi vor wenigen Monaten hat daran nichts geändert.

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