So, 19. November 2017

Vorbild Schweiz

12.12.2012 11:19

Deklarationspflicht für Pelze für ganz Europa gefordert

Der Schweizer Bundesrat hat jüngst eine neue Verordnung über die Deklaration von Pelzen und Pelzprodukten verabschiedet. Durch die Angabe der Tierart, der Herkunft des Fells und der Gewinnungsart können die Konsumenten beim Kauf von Pelzprodukten eine bewusste Entscheidung treffen. Tierschützer sehen die Schweiz damit in einer Vorreiterrolle und wünschen sich eine europaweite Regelung.

"Mit der neuen Deklarationspflicht erfahren Verbraucherinnen und Verbraucher zum Beispiel, ob ein Tier für die Pelzindustrie mit Fallen gefangen oder ob es in Käfigen mit Naturböden oder Gitterböden gehalten wurde", sagt Nikola Furtenbach, Kampagnenleiterin bei der Tierschutzorganisation "Vier Pfoten". "Diese Informationen schaffen Bewusstsein für die grausamen Details der Pelztiergewinnung. Wir hoffen, dass die Kennzeichnungspflicht dazu beitragen wird, den Absatz von Echtpelz zu reduzieren."

Auch Kaninchenfell muss deklariert werden
Erfreulich ist, dass auf die Initiative von Tierschutzverbänden hin Kaninchenfell mit in die Deklarationspflicht aufgenommen wurde. "Kaninchenfell hat einen sehr großen Anteil am Modepelz. Es stammt in aller Regel aus tierquälerischer Käfighaltung, die nun ebenfalls gekennzeichnet werden muss", so Nikola Furtenbach weiter. Allerdings sei das Strafmaß bei Verstößen gegen die Kennzeichnungspflicht viel zu gering, so die Tierschützer - nur wesentlich höhere Strafen könnten abschreckende Wirkung erzielen.

Schweiz als europäischer Vorreiter
Mit der neuen Deklarationspflicht übernimmt die Schweiz eine Vorreiterrolle in Europa. Denn auf europäischer Ebene legt die EU-Textilverordnung lediglich fest, dass Modeartikel mit Echtpelz den Hinweis "Enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs" enthalten müssen. Damit können Verbraucher zwar erkennen, ob es sich um Echtpelz handelt oder nicht, wichtige Produktmerkmale bleiben jedoch weiter im Dunkeln. Diese Lücke schließt nun die Schweizer Kennzeichnungsregelung.

Immer noch 7.200 Pelzfarmen in Europa
Europa ist nach Asien die zweitwichtigste Absatzregion der Pelzindustrie. In der EU gibt es etwa 7.200 Pelzfarmen, vor allem in Dänemark, den Niederlanden, Polen und Finnland. Etwa 35 Millionen Nerzfelle und zwei Millionen Fuchsfelle werden jährlich in europäischen Farmen unter tierschutzwidrigen Bedingungen erzeugt. "Damit hat die EU eine besondere Verantwortung in diesem Bereich", betont Nikola Furtenbach. "Die EU sollte sich aus Sicht von 'Vier Pfoten' die neuen Regelungen der Schweiz zum Vorbild nehmen und vergleichbare Regelungen für alle Mitgliedstaaten auf den Weg bringen."

Mangelnde Information für Konsumenten in Österreich
In Österreich und Großbritannien sind Pelzfarmen bereits verboten. Der Verkauf von Pelzprodukten ist aber nach wie vor erlaubt. Die Wahrscheinlichkeit, in Österreich auf einen Pelz aus tierquälerischer Käfighaltung zu stoßen, sei genauso hoch wie in der Schweiz, so Furtenbach. "Nur werden die Konsumenten in der EU im Gegensatz zu den Schweizer Kunden nichts davon erfahren, solange die EU-Kennzeichnung dies nicht vorschreibt. Nur wenn sich Modebranche und Verbraucher klar gegen Pelz entscheiden, könne das sinnlose Leid von Millionen Tieren gestoppt werden."

Die "Vier Pfoten" setzen sich für ein gesetzliches Verbot der Pelztierhaltung und ein europaweites Handels- und Importverbot für Felle und Pelzprodukte ein. Auf der Kampagnen-Webseite www.parade-gegen-pelz.org können sich Interessierte registrieren und einen nackten Avatar als ihren Stellvertreter auf eine digitale Demonstration schicken.

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