Mo, 23. Oktober 2017

Nach Oma-Mord

28.11.2012 17:00

Bann wirkt weiter: Enkel zittert auch in U-Haft vor dem Opa

Der Mantel des Schweigens ist zerrissen: Plötzlich wollen die Angehörigen und viele Dorfbewohner über den Mord an Renate D. (68) im oberösterreichischen Taufkirchen an der Pram aussagen. Bisher hatten sie die Polizei abgeblockt. Denn alle fürchteten sich vor dem mutmaßlichen Anstifter und Ehemann des Opfers, "Ortskaiser" Leopold D. (72). Nur einer hat immer noch Angst vor ihm, vor seiner Macht und Stärke: Enkel Lukas (18), laut Kriminalisten der willenlose Vollstrecker des teuflischen Mordbefehls an seiner Oma.

Leopold D. – ein kleiner "Ortskaiser", der 19 Jahre die örtliche Hauptschule geleitet, den Musikverein gegründet und neu aufgebaut hatte, Kapellmeister war und als Kustos das Heimatmuseum enorm erweiterte. Der ländliche Ämtermulti ist Träger des Goldenen Ehrenrings der Marktgemeinde. Vor zwei Jahren wurde Leopold D. für seine Verdienste auch noch der Titel "Konsulent für Volksbildung und Heimatpflege" verliehen.

Doch der kulturelle Tausendsassa führte ein Doppelleben, das er sorgsam vor der Öffentlichkeit verbarg: Seine Seitensprünge sollen die Ehe mit seiner Frau Renate zerrüttet haben, Streit stand auf der Tagesordnung. Und doch schwiegen alle, als die Mordermittler vier Wochen lang in die 2.900-Einwohner-Gemeinde pilgerten. Denn alle hatten Angst vor dem "manipulativen Machtmenschen", wie ihn Sohn Wolfgang D. (45) beschreibt.

Ermittler bekommen endlich Antworten
Erst jetzt brechen die Dämme. "Momentan rufen alle bei uns an. Nicht nur die Angehörigen, sondern auch andere Dorfbewohner wollen aussagen", berichten Insider aus dem Landeskriminalamt. In der Bevölkerung von Taufkirchen ist die Angst weg, seit Leopold D. in der Justizanstalt Ried im Innkreis in Untersuchungshaft sitzt.

Doch einer fürchtet sich immer noch fürchterlich vor ihm: sein Enkelsohn Lukas. Verteidiger Peter Vogl besuchte den 18-Jährigen am Mittwoch in der U-Haft und berichtete: "Tatsache ist, dass Opa und Enkel strikt getrennt voneinander gehalten werden. Aber trotzdem hat mein junger Mandant Angst vor dem Großvater. Er ist emotional so stark an ihn gebunden. Es hat ihn auch nicht überrascht, dass der Großvater die Anstiftung leugnet. Das hatte er schon vermutet."

Gerichtspsychiaterin Adelheid Kastner – sie begutachtete auch die mörderische Ex-Eissalon-Besitzerin Estibaliz C. – wird im Auftrag des Gerichts herausfinden müssen, wie stark der Einfluss von Leopold D. auf seinen Lieblingsenkel konkret war. Ihrem Urteil wird entscheidende Bedeutung zukommen.

Ahnungslose Oma wurde massakriert
So groß die Sympathiewelle für den blutjungen Mordverdächtigen auch sein mag, darf dabei nicht vergessen werden, wie abscheulich das Verbrechen war: Laut Spurenauswertung hatte er seiner ahnungslosen Oma, die im Wohnzimmer auf der Couch saß, mit der Hacke frontal ins Gesicht geschlagen. Sie sackte zu Boden, und Lukas, so sein Geständnis, schlug immer wieder zu. Dann holte er aus der Küche ein Messer mit zwölf Zentimetern Klingenlänge und rammte es seiner sterbenden Oma mehrmals in die Brust.

Kriminalisten sprechen von einem "Übertöten" im Blutrausch. Dabei gibt Lukas an, seine Oma immer gern gehabt zu haben. Bis sein Großvater gesagt haben soll: "Die Oma muss weg, ich halt' sie nicht mehr aus." Immer wieder, monatelang – bis der Enkel es als seine Pflicht sah, den Opa zu "erlösen".

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