Do, 26. April 2018

Blitzbesuch in Nijrab

25.05.2012 15:09

Hollande verspricht in Kabul Abzug von Kampftruppen 2012

Frankreichs neuer Präsident Francois Hollande will die französischen Truppen "geordnet" und in Abstimmung mit den anderen NATO-Partnern aus Afghanistan abziehen - und das noch 2012. Der vorzeitige Abzug aller Kampftruppen werde "in gutem Einvernehmen mit unseren Verbündeten" und in enger Zusammenarbeit mit den afghanischen Behörden erfolgen, sagte Hollande am Freitag bei einem Überraschungsbesuch in Afghanistan. Militärische und zivile Zusammenarbeit soll es aber auch nach 2012 geben.

Hollande war Freitag früh zu einem nicht angekündigten Besuch in Afghanistan eingetroffen und besuchte als Erstes den Militärstützpunkt Nijrab in der nordöstlichen Provinz Kapisa. Dort sind die meisten der rund 3.500 französischen Soldaten in Afghanistan stationiert.

Hollande habe den Soldaten persönlich erklären wollen, warum er einen früheren Abzug aus dem Land am Hindukusch anstrebt, hieß es aus seiner Umgebung. Begleitet wird der Staatschef auf seiner Reise unter anderem von Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian, Außenminister Laurent Fabius und Generalstabschef Edouard Guillaud.

"Es wird weiter eine militärische Präsenz geben"
Der Sozialist Hollande hatte bereits im Wahlkampf angekündigt, bis Ende 2012 alle französischen Soldaten aus Afghanistan abzuziehen - ein Jahr früher als von seinem Vorgänger Nicolas Sarkozy angekündigt. Beim NATO-Gipfel am vergangenen Wochenende in Chicago (siehe Infobox) bekräftigte er diese Haltung - was für Irritationen bei den Verbündeten sorgte, die an dem beschlossenen Fahrplan der NATO zur Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen festhalten wollen. Demnach sollen alle Kampftruppen bis Ende 2014 vom Hindukusch abgezogen werden.

"Nach 2012 werden keine französischen Kampftruppen in Afghanistan mehr verbleiben", sagte Hollande nun nach seinem Treffen mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai am Freitag in Kabul. Hollande betonte in einer vom TV-Nachrichtensender BFM übertragenen Rede in der französischen Botschaft, dass es nicht um einen vollständigen Abzug aller französischen Soldaten aus Afghanistan 2012 gehe. "Ich rede von Kampftruppen - es wird aber weiter eine militärische Präsenz geben." Die Zusammenarbeit solle aber eine "zivile Dimension" bekommen. Von den 3.500 in Afghanistan stationierten Franzosen sind 2.000 Kampfsoldaten, der Rest ist meist in der Ausbildung tätig.

Gesundheitsvorsorge, Landwirtschaft, Stromversorgung
Im zivilen Bereich werde Frankreich sich künftig stärker auf Gesundheitsvorsorge, Landwirtschaft und die Stromversorgung konzentrieren. Auch wirtschaftlich könne Frankreich mit Afghanistan zusammenarbeiten, etwa beim Wohnungsbau, den erneuerbaren Energien und in der Landwirtschaft.

Hollande wünsche sich trotz der Truppenabzugspläne eine langfristige Zusammenarbeit, teilte der Élysée-Palast im Vorfeld mit. Grundlage solle der Freundschafts- und Kooperationsvertrag sein, der Anfang des Jahres von Hollandes Vorgänger Nicolas Sarkozy unterzeichnet worden war.

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