Mo, 18. Dezember 2017

Chancen gering

23.04.2012 10:09

Au revoir, Nicolas Sarkozy: War es das jetzt?

Der Sozialist Francois Hollande geht als eindeutiger Favorit in das Duell mit Amtsinhaber Nicolas Sarkozy um den Posten des französischen Staatspräsidenten. Für Sarkozy kommt es bei der Stichwahl am 6. Mai vor allem darauf an, die Wähler zu gewinnen, die für die rechtsextreme Front National und deren Kandidatin Marine Le Pen votiert hatten. Le Pen hatte mit 17,9 Prozent einen spektakulären Erfolg erzielt - das bisher beste Ergebnis für einen FN-Kandidaten überhaupt.

Hollande kam in der ersten Runde der Präsidentenwahl am Sonntag auf 28,6 Prozent. Sarkozy erhielt nur 27,1. An vierter Stelle hinter Marine Le Pen lag mit 11,1 Prozent Jean-Luc Melenchon von der Linksfront aus Kommunisten und Linkspartei, der gleich eine Wahlempfehlung für Hollande abgab. Für den Zentrumspolitiker Francois Bayrou stimmten 9,1 Prozent der Wähler.

Le Pen fuhr mit 17,9 Prozent der Stimmen das beste Ergebnis für einen Kandidaten der Front National bei einer Präsidentenwahl ein. Sie übertraf das historische Ergebnis ihres Vaters aus dem Jahr 2002: Damals landete Jean-Marie Le Pen mit 16,9 Prozent auf dem zweiten Platz hinter dem konservativen Kandidaten Jacques Chirac und warf damit den Sozialisten Lionel Jospin aus dem Rennen. "Die Schlacht um Frankreich hat erst begonnen, nichts wird mehr so sein wie vorher. Das ist erst der Anfang", verkündete Le Pen am Wahlabend.

Sarkozy braucht rechtsextreme Wähler
Sarkozy bleiben nun noch zwei Wochen Zeit, um den Rückstand auf seinen Kontrahenten Hollande aufzuholen. In den Augen zahlreicher Politologen liegt die Zukunft des Amtsinhabers in den Händen Le Pens. Mit knapp 18 Prozent der Stimmen stellen die Anhänger der Front National das größte Wählerreservoir für den konservativen Präsidenten dar.

Derzeit gilt es jedoch als unwahrscheinlich, dass Le Pen ihren Wählern empfehlen wird, für Sarkozy zu stimmen. Der Wahlkampfchef der Rechtsextremen, Florian Philippot, schloss am Montag jegliche Absprachen für die Stichwahl mit dem Amtsinhaber aus. Auch der stellvertretende FN-Vorsitzende und Lebensgefährte von Le Pen, Louis Aliot, geht davon aus, dass es keine Empfehlung geben werde. Schon Jean-Marie Le Pen hatte sich 2007 geweigert, seine Anhänger zur Unterstützung Sarkozys aufzufordern. Nach Berechnungen von Wahlforschern bräuchte Sarkozy aber mindestens 80 Prozent der Stimmen Marine Le Pens, um seine Chance gegen Hollande zu wahren.

"Ich rufe alle, die ihr Vaterland lieben, auf, mich zu wählen", appellierte Sarkozy auch gleich an das nationalistische Lager. Inhaltlich ging er noch am Wahlabend erneut auf die Front National zu: Er kündigte an, die Grenzkontrollen zu verschärfen und die Zuwanderung weiter zu begrenzen. Sarkozy gab sich trotz seines Rückstands kämpferisch. "Ich werde alle Energie reinstecken, derer ich fähig bin", sagte der 57-Jährige. Auch bei den Anhängern des fast schon abgeschriebenen Amtsinhabers kehrte die Zuversicht zurück: "Wir werden gewinnen", skandierten sie.

Hollande will "schönen Sieg" einfahren
Hollande rief sich indessen zum Favoriten für die Stichwahl aus. Er sei in der besten Situation, die entscheidende Runde zu gewinnen, sagte er vor Anhängern. "Am 6. Mai will ich einen Sieg, einen schönen Sieg." Der Sozialist kündigte an, Europa "zurück auf den Pfad von Beschäftigung und Wachstum" zu führen. Er sei sich bewusst, dass er aus dem Ausland scharf beobachtet werde, sagte Hollande, der angekündigt hatte, bei einem Sieg den EU-Fiskalpakt nachzuverhandeln.

Linkspartei und Grüne unterstützen Sozialisten
Wichtige Unterstützung erhielt Hollande schon Stunden nach Schließung der Wahllokale vom Viertplatzierten Melenchon. Zwar vermied es der Kandidat der Linkspartei und der Kommunisten, Hollande explizit beim Namen zu nennen - gleichwohl rief er seine Anhänger indirekt dazu auf, ihn in der zweiten Runde am 6. Mai zu unterstützen. "Wir müssen die einzige Möglichkeit nutzen, die der Wahlzettel noch bietet. Gibt es einen anderen? Ich will Sarkozy schlagen", sagte der ehemalige sozialistische Senator. Auch Grünen-Kandidatin Eva Jolie, die nur zwei Prozent erhielt, warb für Hollande.

Hollande Favorit in der Stichwahl am 6. Mai
Die endgültige Entscheidung wird nun in zwei Wochen in einer Stichwahl fallen. Mit drei Ausnahmen (1974, 1981 und 1995) gewann in der Vergangenheit stets der Kandidat mit den meisten Stimmen im ersten Wahlgang auch die Stichwahl. Umfragen vom Wahlabend sehen Hollande als klaren Sieger. Nach Untersuchungen verschiedener Institute kann er mit 53 bis 56 Prozent der Stimmen rechnen.

Bei einem Sieg am 6. Mai wäre Hollande der erste Sozialist seit der Wiederwahl von Francois Mitterrand 1988, der in den Elysee-Palast einzieht. Er sei "der Bestplatzierte, um der nächste Präsident der Republik zu werden", sagte Hollande.

Durchschnittliche Wahlbeteiligung
Die Wahlbeteiligung bei der ersten Runde lag bei 79,4 Prozent und war damit etwas geringer als beim Urnengang im Jahr 2007 mit 84 Prozent. Experten hatten eine extrem niedrige Wahlbeteiligung befürchtet und bereits den Vergleich zu 2002 gezogen. Damals waren in der ersten Runde lediglich 71,6 Prozent der Wähler zu den Urnen gegangen. Die nunmehr 79,4 Prozent jedoch sind über die vergangenen Jahrzehnte gesehen ein durchschnittlicher Wert.

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