Do, 24. Mai 2018

Diesmal mit Rebellen

23.08.2011 12:15

Rom plant neuen Freundschafts-Vertrag mit Libyen

Angesichts des bevorstehenden Endes des libyschen Regimes hat sich die italienische Regierung bereit erklärt, mit Libyens Nationalem Übergangsrat den Freundschaftsvertrag zwischen Rom und Tripolis zu reaktivieren, der im August 2008 mit dem Gadafi-Regime abgeschlossen worden war.

Nach Beginn der Auseinandersetzungen war der Vertag aufgekündigt worden. "Sobald die neue legitime Regierung, der Nationale Übergangsrat, endgültig die Führung des gesamten Landes übernommen hat, wird der italo-libysche Vertrag reaktiviert, hieß es nun aus Rom. Der Übergangsrat hat sich verpflichtet, alle Verträge, auch jene mit den italienischen Unternehmen, zu respektieren, die Gadafi abgeschlossen hatte", sagte der italienische Außenminister Franco Frattiini in einem Radiointerview am Dienstag.

Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi plant deshalb am Mittwoch ein Treffen mit dem führenden Nationalrats-Vertreter Mahmoud Jibril. Das Treffen soll in Mailand stattfinden, erklärte Frattini weiter.

Italien entschädigte Libyen fürKolonialherrschaft
Die Beziehungen zwischen Libyen und Italien hatten sich vor allem seit August 2008 besonders intensiviert. Mit dem damals unterzeichneten Abkommen wollte Italien Libyen für die italienische Kolonialherrschaft von 1911 bis 1942 entschädigen und verpflichtete sich, über 25 Jahre hinweg fünf Milliarden Dollar (3,6 Milliarden Euro) in Form von Investitionen an das nordafrikanische Land zu zahlen. Seitdem ist Italien Libyens wichtigster Handelspartner.

Zwar hatte Tripolis schon vor dem Abkommen in italienische Unternehmen investiert und bis zu zehn Prozent am Automobilhersteller Fiat gehalten, bevor es seine Anteile abtrat - seit Sommer 2008 hatte Libyen seine Präsenz in italienischen Firmengruppen aber deutlich verstärkt.

Rege Beteiligung an italienischen Unternehmen
Mit einem globalen Anteil von 7,582 Prozent ist Libyen beispielsweise der größte Anteilseigner der italienischen Holding UniCredit, Mutter der Bank Austria. Außerdem hält die Libysche Investmentbehörde etwas mehr als zwei Prozent am Luftfahrt- und Verteidigungskonzern Finmeccanica, der vom italienischen Staat kontrolliert wird. Über die Libyan Arab Foreign Investment Company hält Tripolis zudem 7,5 Prozent am italienischen Fußballklub Juventus Turin. Libysche Beteiligungen an italienische Unternehmen wurden seit Beginn der Unruhen eingefroren.

Umgekehrt bezog Italien bis zu Beginn der Revolten im nordafrikanischen Land 22 Prozent seines Öls aus Libyen sowie 13 Prozent seines Gases. Rund 180 italienische Unternehmen waren in Libyen aktiv, etwa 1.500 Italiener lebten in dem nordafrikanischen Staat.

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