Di, 21. November 2017

„Private Wurm“

19.10.2010 12:57

Gestauchtes Haus bei Ausstellung im Essl Museum

Die Veränderung der Realität durch die Veränderung in der Wahrnehmung, das ist das Zentrum der Arbeiten von Erwin Wurm. Ab Mittwoch bis zum 30. Jänner zeigt das Essl Museum in Klosterneuburg die Personale "Private Wurm". Hauptobjekt der Schau ist ein betretbares Haus, in den Dimensionen einem Einfamilienhaus gleich, allerdings nur 1,38 Meter breit. "Eine außergewöhnliche Herausforderung", berichtete Sammler Karlheinz Essl.

Aufwendig war offensichtlich die Herstellung: "Über die Kosten will ich gar nicht reden", seufzte Essl. Als Vorbild zu dem 16 Meter langen und sieben Meter hohen Gebäude diente dem 1954 in Bruck an der Mur (Steiermark) geborenen Künstler sein Elternhaus. Auch das Inventar - vom Essbesteck bis zu den Sanitäreinrichtungen - ist den 70er Jahren nachempfunden und ebenfalls in gestauchter Form vorhanden. Wurm versteht das Haus, das künftig bei weiteren Ausstellungen Verwendung finden soll, keineswegs als Abrechnung mit dem Elternhaus, wenngleich die Beengung durch gesellschaftliche und soziale Gegebenheiten dargestellt und erfahrbar wird. Am besten fände er, wenn das Haus im Freien "zwischen anderen Einfamilienhäusern stehen würde".

Riesige Polizeikappe als Ausstellungsstück
Zu den weiteren Objekten der Schau, die auch Sitzmöbel und Skulpturen beinhaltet, zählt eine überdimensionale Wiener Polizeikappe, unter die sich die Besucher stellen können. Die Idee zu diesem Konzept kam Wurm ursprünglich in Zusammenhang mit dem Wiener Heldenplatz, wo eine riesige Kappe den Passanten Schutz anbieten sollte. Das Projekt wurde allerdings abgelehnt. Auch hier, so Kurator Günther Oberhollenzer, sei das Thema nicht primär der psychologische Blick auf Kindheit und Jugend des Künstlers, dessen Vater Kriminalbeamter war, sondern Wurms Interesse an der Veränderung von Maßstäben.

Wurm: "Das Individuum verschwindet immer mehr"
Wie das Haus als bauliche Hülle repräsentative Funktion erfüllt, bringt auch die Kleidung das scheinbar individuell Bezeichnende zum Ausdruck. "Wir repräsentieren uns nicht durch uns selbst, sondern durch Prestigeobjekte. Das Individuum verschwindet immer mehr", konstatierte Wurm eine augenfällige gesellschaftliche Tendenz, die sich unter anderem in der Architektur ausdrückt: "Wenn Sie durch Österreich fahren und sehen, was da so herumsteht, kann ich nur sagen: Halleluja!"

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