Di, 24. April 2018

Neues Album

21.03.2018 07:00

The Decemberists und die apokalyptische Tanz-Party

Die US-Indie-Rocker The Decemberists haben sich in den knapp zwei Dekaden ihres Bestehens zu einer Institution der Portland-Szene gespielt. Colin Meloy und Co. versuchen auf ihrem neuen Album „I‘ll Be Your Girl“ aber neue Pfade zu beschreiten - und wildern vermehrt in tanzbaren Synth-Pop-Gefilden.

Die Indie-Folk-Rock-Band The Decemberists hatte die Vision einer „apokalyptischen Tanz-Party“. Also ist man bei den Aufnahmen zum am Freitag erschienen Album „I‘ll Be Your Girl“ aus „der Komfortzone getreten“, wie es Sänger und Gitarrist Colin Meloy im APA-Interview formulierte. „Das ist für den kreativen Prozess wichtig, diesen Schritt manchmal zu wagen. Es fällt einem nur nicht so leicht.“

Kein radikaler Schritt
Eigentlich beginnt die neue Platte so, wie man es von der Gruppe aus Portland im US-Staat Oregon seit 17 Jahren gewohnt ist. „Dann setzt der Synth-Sound ein und zerstört alles“, lachte Meloy. Aber die Fans können beruhigt sein: The Decemberists haben keinen all zu radikalen Schritt gemacht. „Wenn jemand meint, das sei unsere Synth-Pop-Platte, stimmt das so nicht. Sie hat diese Elemente, aber innerhalb unserer Welt. Und unsere Welt ist mittlerweile groß, wir haben die Grenzen über die Jahre stets erweitert.“

Zuletzt haben The Decemberists mit der britischen Sängerin und Multiinstrumentalistin Olivia Chaney unter dem gemeinsamen Projektnamen Offa Rex dem traditionellen irisch-schottischen Folk gefrönt. Davor erschien der Longplayer „What A Terrible World, What A Beautiful World“. Bei der Produktion dieses Albums von 2015 hatte Meloy öfter das Gefühl, „vertraute Entscheidungen zu treffen“.

Platz für Neues
„Daher wollten wir etwas Anderes versuchen, aber was das ist, war uns zu Beginn nicht klar“, erzählte der 43-jährige Musiker. „Wenn wir mit den Ansatz herangegangen wären, ‘lasst uns doch ein Synth-Album machen‘, hätte das Ergebnis ziemlich gezwungen geklungen. Der Ansatz lautete vielmehr: ‘Lasst uns eine Umgebung schaffen, in der etwas Neues entstehen kann - und schauen wir, was herauskommt.‘“ Gearbeitet wurde „in einem kleinen Studio in einem großen Haus“ mit dem Produzenten John Congleton (St. Vincent, Lana del Ray).

Veränderungen sind immer mit einem Risiko verbunden, weiß Meloy. „Es wird immer Leute geben, die das komplett ablehnen. Aber wir können doch nicht immer das Gleiche machen, nur weil wir einmal einen Nerv getroffen haben.“

Das gewisse Etwas
Den kreativen Prozess beschrieb Meloy anhand des Album-Opener „Once In My Life“: „Das Lied haben wir auf der vergangenen Tour vorgestellt. Da war es noch ein ganz normaler Folksong. Im Studio erschien uns das Arrangement ein bisschen zu langweilig, also haben wir herumgespielt. Jenny (Conlee-Drizos, Keyboards und Akkordeon, Anm.) begann plötzlich dazu am Synthesizer zu spielen - und das hörte sich gut an. Das hat dem Song das gewisse Etwas gegeben.“

Einige Stücke auf „I‘ll Be Your Girl“ sind recht düster ausgefallen. „Das meiste Material entstand während des US-Präsidentenwahlkampfes, einige Sachen nach der Wahl“, betonte Meloy. „Daher konnte ich es gar nicht vermeiden, meinen Zorn und meine Verzweiflung auf die Stimmung der Lieder zu übertragen.“

Kein Konzeptalbum
Ein Konzeptalbum sei es jedoch nicht geworden: „Die Songs erzählen einzelne Geschichten, die gut zusammenpassen sollen. Ich vergleiche das gerne mit einer guten Kurzgeschichtensammlung, in der jede Geschichte für sich allein steht, aber wenn man sie alle gelesen hat, erkennt man etwas, das sie verbindet.“

APA / Wolfgang Hauptmann

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