Do, 26. April 2018

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10.03.2018 12:39

Kirchi sagt Adieu: „Alles schwirrt im Kopf“

16 Jahre lang war Michaela Kirchgasser ein weithin geschätzter Teil im alpinen Ski-Zirkus, bestritt 284 Weltcup-Rennen, gewann sieben WM-Medaillen. Am Samstag gab sie im Slalom am Ofterschwanger Horn ihre Abschiedsvorstellung. „Es schwirrt alles im Kopf, so dass man es gar nicht wirklich greifen kann oder benennen kann“, tat sich die 32-jährige Salzburgerin schwer, ihre Emotionen aufzuschlüsseln.

Sportlichen Charakter hatte der Lauf der Pongauerin mit Startnummer 28 dem Anlass entsprechend nicht mehr. In einem Dirndl und ohne Helm fabrizierte Kirchgasser in einem überschaubaren Tempo haufenweise Torfehler und pausierte zwischendurch, um Trainer wie ÖSV-Rennsportleiter Jürgen Kriechbaum und den FIS-Rennchef Atle Skaardal zu herzen. Kurz vor der Ziellinie schnallte sie die Skier ab, wenige Meter weiter wurde sie von aktuellen Teamkolleginnen und der bereits im Ski-Ruhestand befindlichen Nicole Hosp mit einer Sektdusche begrüßt.

Coole Teamkolleginnen
„Ich bin froh, dass ich so coole Teamkolleginnen habe“, meinte Kirchgasser wenig später im ORF-Fernsehinterview. Hosp und Anna Veith, die am Samstag ohne Renneinsatz war, stünden ihr am nächsten. „Es ist eine tiefe Freundschaft aus dem Beruf heraus geworden bei uns, und das ist einfach auch eine schöne Sache.“ Am 9. Dezember 2001 hatte Kirchgasser als 16-Jährige in Sestriere im Weltcup debütiert und gleich den 17. Platz im Slalom erreicht. Die etwas ältere Hosp war damals auch dabei, schaffte es allerdings nicht in den zweiten Durchgang.

Veith kam erst rund fünf Jahre später in den Weltcup, wurde aber bald zur Zimmerkollegin ihrer Salzburger Landsfrau. „Für mich ist auch heute eigentlich ein bisschen ein trauriger Tag, weil eine Ära zu Ende geht und meine treuste Zimmerkollegin neue Wege gehen wird“, sagte die 28-Jährige. „Es ist, denke ich, eine unglaubliche Karriere, die zu Ende geht. Ich möchte ihr ganz herzlich gratulieren, und ich habe großen Respekt vor dem, was sie geschafft hat.“ Hosp freute sich, dass ihre Freundin nun vielleicht im Sommer etwas mehr Zeit für gemeinsame Unternehmungen haben wird.

„So viel Glück“
Kirchgasser selbst rang mit den Worten. „Ich habe, glaube ich, einfach so viel Glück gehabt in meiner Karriere, dass ich es genießen habe können immer wieder“, stammelte sie. Ehemann Sebastian, die Familie, zahlreiche Fans, Freunde und Wegbegleiter waren ins Oberallgäu gekommen, um den Abschied gebührend zu feiern. Tränen wurden vorerst wenige vergossen, die Pongauerin war dafür von Schaumwein gebadet. „Hätte ich mir nicht gedacht, dass ich beim Runterfahren so nass werde“, merkte die Siegerin von drei Weltcup-Rennen lachend an.

Kinder sind Thema
Ihrem Sport will Kirchgasser in einer anderen Form erhalten bleiben. „Ich möchte auf jeden Fall mit meiner Skifirma weiter zusammenarbeiten“, verriet sie. In welcher Funktion sie Atomic helfen könnte, wollte sie noch nicht beantworten. Im Privaten sind Kinder ein großen Thema. „Aber das muss auch der Herrgott wollen“, sagte sie.

Zuallererst wollte sich „Kirchi“ jedenfalls mit ihren Fans und Liebsten zusammensetzen. „Einfach Abschied feiern, Danke sagen für eine unglaublich lange Zeit, einfach passieren lassen“, erklärte sie. „Ich habe gar keinen großen Plan. Ich denke, es wird wahrscheinlich ganz schön lustig werden.“

Auch für Veronika Velez-Zuzulova war der Slalom von Ofterschwang das letzte Rennen ihrer Karriere. Die 33-jährige Slowakin, die in einer traditionellen Tracht aus ihrer Heimat antrat, war letztes Jahr noch stärkste Herausforderin von Mikaela Shiffrin im Slalom. Ein Kreuzbandriss im Sommer verhinderte aber ein möglicherweise mit einer Olympia-Medaille gekröntes Karriereende.

Erst Ende Jänner hatte Velez-Zuzulova, die insgesamt fünf Weltcupsiege gefeiert hat, ihr Comeback gegeben. Ihr Erfolg 2012 im Slalom am Semmering war der erste einer Slowakin im Weltcup gewesen.

krone Sport
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