Di, 24. April 2018

Am Aschermittwoch

14.02.2018 19:54

Erneut Attacken gegen den ORF von FPÖ-Chef Strache

Unter geänderten Vorzeichen ist der 27. politische Aschermittwoch der FPÖ im oberösterreichischen Ried gestanden. Hatte Bundesparteiobmann Heinz Christian Strache bisher die Regierung verbal abgewatscht, sparte der Vizekanzler heuer nicht mit Eigenlob. Vor allem bekam aber der ORF sein Fett weg: "Mich wundert es ja nicht mehr, wenn Leute sagen: Dem ORF glaub ich nicht einmal mehr die Uhrzeit." Den 2000 Fans gefiel es ebenso.

Anlass für die Kritik am ORF war die Wahlkampfreportage des ORF Tirol, in der die Reaktion von FPÖ-Kandidat Markus Abwerzger auf antisemitische Aussagen eines Passanten zunächst weggeschnitten und erst in einem späteren "ZiB"-Beitrag gesendet worden war. Offenbar "dürfen einige Redakteure ihre politischen Vorlieben ungeniert ausleben", wetterte Strache, was das Publikum mit lautem Gegröle bejahte.

Sein Facebook-Posting, in dem "ZiB 2"-Moderator Armin Wolf der "Lügen" bezichtigt wird, verteidigte Strache neuerlich als Satire: "Der berühmte deutsche Satiriker Kurt Tucholsky hat 1919 im 'Berliner Tagblatt' geschrieben: Was darf Satire? Alles! Und das gilt auch, wenn ein Freiheitlicher einen satirischen Kommentar schreibt." Dafür erntete er von seinen Fans genauso donnernden Beifall wie auf seine nächste Attacke gegen den öffentlich-rechtlichen Sender: "Die Gebühren sind ein medienpolitischer Anachronismus, der im 21. Jahrhundert nichts mehr verloren hat."

"Vor uns liegt noch ein weiter Weg"
Mutmaßungen, Strache würde seinen Tonfall ändern, bewahrheiteten sich zum Teil. So klangen seine Worte an die Funktionäre und FPÖ-Anhänger manchmal weniger launig als in den Jahren zuvor: "Vor uns liegt noch ein weiter Weg, ein harter Weg. Aber so, wie wir die Oppositionsrolle gemeistert haben, werden wir auch die Regierung meistern, so wie es in einem bekannten Lied heißt: Wir sind gekommen, um zu bleiben", erklärte er seine neue Funktion, in der er erstmals in Ried ans Podium trat. Gleichzeitig versprach er, "dieselbe bodenständige Person zu bleiben" und "niemals abgehoben zu werden". Die Aschermittwochsgemeinschaft antwortete mit Bravo-Rufen.

"Jede Woche ein freiheitliches Wahlversprechen umgesetzt"
Direkte Angriffe auf den Koalitionspartner ÖVP unterließ Strache dann auch, vielmehr lobte der Vizekanzler den Start von Türkis-Blau: "Die Weichen für den rot-weiß-roten Schnellzug wurden gestellt und er fährt mit vollem Tempo in die richtige Richtung." Besonders unterstrich der Parteichef die blaue Handschrift: "Wir sind sechs Wochen in der Regierungsverantwortung und jede Woche wird ein freiheitliches Wahlversprechen umgesetzt. Wir zeigen, wie es geht."

Natürlich durfte dabei der blaue Dauerbrenner Asylpolitik nicht fehlen: "Jede Woche wird die Liste der sicheren Drittstaaten erweitert", kündigte der Vizekanzler an, wofür es anerkennende Pfiffe gab.

"Prinzessin auf der roten Erbse"
Nur wenige Minuten währte Straches Blick zurück auf "Kurzzeitkanzler" Christian Kern (SPÖ), der "noch immer seine Lieblingsrolle spielt, nämlich die Prinzessin auf der roten Erbse". Die Sozialdemokraten seien für ihn heute mehr denn je "Jammersozialisten". Das Einzige, wo sie seiner Ansicht nach noch aktiv seien, "ist das Dirty Campaigning gegen die FPÖ".

Die Opposition nahm er sich überhaupt nur kurz zur Brust, da diese im Parlament für ihn eigentlich nicht mehr existent sei. Die Liste Pilz sei "quasi im ewigen Schwammerlsuchen gefangen", nachdem Listengründer Peter Pilz die "Grünen demontiert" hat.

Nach seiner knapp einstündigen Rede, mit deutlich weniger Schenkelklopfern als die Jahre zuvor, ging es zum gewohnt ausgiebigen Selfie-Bad in die Menge.

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