Do, 26. April 2018

„Arbeitsboykott“

12.02.2018 14:00

Gleichzeitig krank: Firma kündigt zehn Mitarbeiter

Dass zwölf Mitarbeiter eines großen Unternehmens in Oberösterreich Ende 2017 gleichzeitig in den Krankenstand gegangen sind, sieht der Dienstgeber als "Arbeitsboykott" wegen zuvor angeordneter Überstunden. Durch die Aktion seien ihm Kosten in der Höhe von 250.000 Euro entstanden, berichtete die Wirtschaftskammer Oberösterreich am Montag. Zehn der Betroffenen seien gekündigt worden, zwei hätten das Dienstverhältnis selbst gelöst.

Den Namen des Unternehmens nannte die WKOÖ nicht. Nur so viel: Es handle sich um einen Hightech-Betrieb aus dem Mühlviertel, der mehr als 100 Mitarbeiter beschäftige. Dieser habe wegen der guten Auftragslage für eine gewisse Zeit Überstunden angeordnet. Das habe einigen Beschäftigten wohl nicht gepasst, "weshalb diese kurzerhand beschlossen, gleichzeitig in den Krankenstand zu gehen", hieß es in einer Aussendung.

Das Unternehmen habe "diese besondere Art des Arbeitsboykotts - wie beabsichtigt - ins Mark getroffen", so die WKOÖ weiter. Denn obwohl die Kollegenschaft zusätzliche Mehrstunden geleistet und das Unternehmen kurzfristig neue Mitarbeiter gefunden habe, sei es zu Lieferengpässen gekommen. Der Firma sei ein Gesamtschaden von rund 250.000 Euro entstanden.

"Am Vortag waren alle noch gesund und haben heftig diskutiert"
Die zwölf Dienstnehmer hätten Krankschreibungen bekommen, erklärte Erhard Prugger, Leiter der Abteilung Sozial- und Rechtspolitik in der oberösterreichischen Wirtschaftskammer. Aus der gesamten Situation sei aber klar gewesen, dass es sich um einen "Boykott" gehandelt habe. Denn am Vortag seien alle zwölf noch gesund gewesen und hätten heftig mit der Geschäftsführung diskutiert, schilderte er. Es sei zu der Zeit auch kein Infekt in dem Betrieb umgegangen.

WKOÖ: "Illoyalität gegenüber dem Arbeitgeber und den Kollegen"
Die WKOÖ kritisierte in ihrer Aussendung die "Aktion, die an Dreistigkeit und Illoyalität gegenüber dem Arbeitgeber und gegenüber den Kollegen kaum mehr zu überbieten war". Einzelne Mitarbeiter würden Krankenstände immer wieder als Druckmittel einsetzen, um persönliche Ziele durchzusetzen. "Würde es keine Kündigungsmöglichkeit im Krankenstand mehr geben, wären die Unternehmen an solche illoyalen Mitarbeiter auch noch unzumutbar lange gebunden", so die Kammer. Erst kürzlich hatte der Oberösterreichs AK-Präsident Johann Kalliauer gefordert, dass Kündigungen während des Krankenstands verboten werden.

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