Di, 24. April 2018

Fossile Zähne zeigen:

26.01.2018 09:41

Moderner Mensch verließ Afrika früher als gedacht

Ein internationales Forscherteam um den Anthropologen Gerhard Weber von der Universität Wien hat in Zusammenarbeit mit der Universität Tel Aviv herausgefunden, dass die ersten modernen Menschen Afrika wesentlich früher verlassen haben als bisher bekannt. Demnach ist der Homo sapiens bereits vor circa 180.000 Jahren in Eurasien angekommen – um mindestens 60.000 Jahre früher als bisher angenommen. Das zeigt der Fund eines fossilen Oberkieferstückes samt Zähnen in Israel.

Das älteste Fossil eines Homo sapiens (modernen Menschen) außerhalb Afrikas, das Wissenschaftler in einer Höhle in Israel ausgegraben haben, ist damit auch ungefähr gleich alt, wie die bislang ältesten Knochenfunde in Ostafrika. Dieser sensationelle Fund stellt alle bisherigen Vorstellungen über unsere Evolution in Frage und lässt an einer simplen und geradlinigen Entwicklung zweifeln, berichten Forscher im Fachjournal "Science".

Bisher habe man angenommen, dass sich die modernen Menschen (Homo sapiens) nach ihrer Entstehung in Ostafrika vor knapp 200.000 Jahren zunächst nur in Afrika breitgemacht haben und erst vor 120.000 bis 90.000 Jahren auch nach Vorderasien kamen.

Doch nun hat ein Team um Israel Hershkovitz von der Universität Tel Aviv in Israel in der "Misliya"-Höhle in der Hafenstadt Haifa einen linken Oberkiefer mit fast allen Zähnen zu Tage gefördert. Er gehörte einem jungen, erwachsenen Menschen, wie Weber berichtet. Der Weisheitszahn war schon vorhanden und auf einer Ebene mit den anderen Mahlzähnen, aber kaum abgenutzt. Dies lasse auf ein Sterbealter von 18 bis 20 Jahren schließen, so der Forscher.

Anatomisch mit heute lebenden Menschen ident
Er scannte das gesamte Fossil in hoher Auflösung mit einem Mikro-Computertomographie-Gerät, das er in seinem Labor betreibt. Anschließend hat Weber mehrere Zähne und das Kiefer als Ganzes virtuell vermessen und mit anderen prähistorischen Fossilien sowie Daten heute lebender Menschengruppen von überall auf der Welt verglichen. Es stellte sich heraus, dass es sich trotz des hohen Alters des Fundes um einen modernen Menschen handelte. "Genauer gesagt war 'Misliya-1' ein supermodernes Exemplar, das sich anatomisch absolut nicht von heute lebenden Menschen unterscheidet", so Weber.

Datiert haben die Forscher den Fund mit drei verschiedenen Methoden: Die Ergebnisse waren fast perfekt deckungsgleich und legen ein Alter zwischen 177.000 und 194.000 Jahren nahe, erklären sie in einer Aussendung der Uni Wien. Ganz sicher ist der Fund nicht jünger als 160.000 Jahr alt, denn zu dieser Zeit stürzte die Höhle ein und konservierte den Schädelteil sowie zahlreiche Werkzeuge, Feuerstellen und Tierknochen.

Diese Funde geben ein recht klares Bild, wer damals in der Höhle gelebt hat. Nämlich Gruppen anatomisch moderner Menschen, die Auerochsen, Gazellen und Damwild jagten, es am Feuer zubereiteten und verschiedene Pflanzen nutzten. Sie stellten mit - für die damalige Zeit sehr fortschrittlichen - Techniken handliche Steinwerkzeuge wie Klingen, Speerspitzen und Schaber her.

Mehr Wanderbewegungen als bislang angenommen
Weniger klar ist nun die Geschichte der modernen Menschen geworden, meint Weber. Es gab auf jeden Fall mehr Wanderbewegungen als angenommen und vermutlich auch mehr Vermischung mit archaischen (urtümlichen) Menschenformen, die es damals verbreitet in Eurasien gab.

Die Ergebnisse des Misliya-Fundes bestärken auch Berechnungen von Genetikern, die 2017 veröffentlicht wurden, wonach eine Migration moderner Menschen aus Afrika schon vor 220.000 Jahren stattgefunden hat, so die Forscher.

 krone.at
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