Do, 23. November 2017

„Alles gesagt“

12.08.2009 18:02

Kampusch-Kommission vereinbart Stillschweigen

Nach ihrer Besprechung am Mittwoch hat sich die Evaluierungskommission im Fall Natascha Kampusch entschlossen, vorerst keine weiteren Kommentare abzugeben. "Aus unserer Sicht wurde alles gesagt, was gesagt werden muss", sagte die stellvertretende Leiterin Susanne Reindl-Krauskopf vom Wiener Institut für Strafrecht. "Daher ist es nicht notwendig, noch irgendetwas zu wiederholen." Die Expertengruppe stehe weiter für Analysen zur Verfügung. "Alles Weitere liegt jetzt bei der Soko", betonte die Strafrechts-Expertin.

Kein Kommentar gab es daher seitens der Kommission zu den pikanten Aussagen von Ludwig Adamovich zum privaten Umfeld Kampuschs in den Medien. Dennoch wurde betont, dass die Kommission geschlossen hinter ihrem Leiter stehe.

"Sache ist nicht vom Tisch"
"Für uns ist die Sache nicht vom Tisch", meinte die stellvertretende Leiterin Reindl-Krauskopf nur. Das Treffen selbst habe aber kein konkretes Ziel verfolgt, sondern habe "einfach um sich zu besprechen" stattgefunden. Im Zuge der Aufgabe, die Ermittlungen zu beobachten und zu begleiten, werde es auch einen neuerlichen Zwischenbericht geben, möglicherweise im September. "Sie wissen, dass in unseren Aufgaben drinnen steht, dass wir der Ministerin (Maria Fekter, Anm.) in regelmäßigen Abständen berichten sollen", so Reindl-Krauskopf. Gedacht sei dies etwa alle vier Monate, der letzte Bericht sei im Mai verfasst worden.

Nach den Kommissionsmitgliedern Johann Rzeszut, Ex-Präsident des Obersten Gerichtshofes, und Rudolf Keplinger, Chef des oberösterreichischen Landeskriminalamts, meldete sich in der ORF-"ZiB2" am Dienstag auch der Kriminalpsychologe Thomas Müller zu Wort und bekräftige Adamovichs Einschätzung der Causa Kampusch: Solange es die bekannten offenen Fragen gebe, "wird die Kommission, ob es anderen gefallen mag oder nicht, eine klare Empfehlung ausgeben. Diese Fragen müssen geklärt werden".

Behörden geben keine Stellungnahme ab
Von den in die Ermittlungen direkt involvierten Behörden gab es am Mittwoch keine Stellungnahme: "Wir haben festgelegt, dass das Bundeskriminalamt zu dem Fall nichts mehr sagt. In strafrechtlichen Belangen verweisen wir auf die Staatsanwaltschaft. In Fragen zur Evaluierungskommission sollte man sich an diese wenden", sagte Gerhard Lang, Sprecher Kampusch-Sonderkommission. Zu erfahren war bei den Ermittlern lediglich, dass man die vorhandenen Aufträge abarbeite. Neue Aufträge seien bisher nicht eingelangt.

Die leitende Oberstaatsanwaltschaft Wien gab sich ebenfalls wortkarg: Nach der Hinzuziehung des Grazer Oberstaatsanwaltes Thomas Mühlbacher Anfang August habe man beschlossen, vorerst keine öffentlichen Stellungnahmen mehr abzugeben, so Oberstaatsanwältin Ilse-Maria Vrabl-Sanda, die auf das Justizministerium verwies. Zu der Kritik von Kommissionsmitglied Rzeszut, "dass die Ermittlungsverantwortung offenbar weiterhin bei einem Leitenden Oberstaatsanwalt bleibt, der die von kriminalpolizeilicher Seite angeregten Ermittlungsinitiativen ins Lächerliche zieht", wolle man jedenfalls nichts sagen. "Zu dem nehme ich überhaupt keine Stellung", so Vrabl-Sanda.

Auch im Justizministerium gab man sich zugeknöpft: Aufgrund des jüngsten Evaluierungsberichts der Kommission habe man Mühlbacher beigezogen, sagte Katharina Swoboda, Sprecherin von Justizministerin Claudia Bandion-Ortner. "Jetzt soll Mühlbacher mit der Sonderkommission einmal arbeiten." Weitere Kommentare gebe es nicht.

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