Sa, 25. November 2017

Wullewupp Humor?!

04.07.2009 11:09

Helge Schneider begeisterte in der Staatsoper

Im Rahmen des Jazzfest Wien hat am 3. Juli Helge Schneider in der bis auf den letzten Platz ausverkauften Staatsoper sein aktuelles Programm "Wullewupp Kartoffelsupp?!" ("Möchten Sie Kartoffelsuppe?!") präsentiert. Mit einer unvergleichlichen, skurill-witzigen Mischung aus Jazz, Parodie, Nonsens, Klamauk, Pantomime und Kabarett sorgten der deutsche Musikkomiker und seine sechsköpfige Truppe für einen höchst vergnüglichen Abend. Unbeantwortet blieb allerdings die Frage, warum das Programm erwähnten Titel trägt, aber das ist eine ganz andere Geschichte...

Zwei Mal täuschte Schneider an, dass er auf die Bühne kommt, kehrte aber ebenso oft wieder um, erst beim dritten Mal erschien er dann – bepackt mit Trompete, Saxofon, Gitarre und Mundharmonika – wirklich. Bis tatsächlich der erste Titel (der Klassiker "Telephonmann") gespielt wurde, dauert es allerdings etwas, denn vor und zwischen den Songs baut der 53-Jährige seine teilweise improvisierten, skurill-witzigen Wortbeiträge ein.

Infos zum Jazzfest Wien in der Infobox!

Das Publikum hatte Schneider, der sich in der Oper als gut gelaunter Bandleader präsentierte, von der ersten Minute an fest im Griff. Er kokettierte mit dem Publikum, mit dem Auftrittsort, dessen Namen er sich (zur Sicherheit?) auf die Handfläche geschrieben hat. Seine abstrusen Geschichten paarte Schneider mit Nonsens, Slapstick und hintergründigem Humor. Dem Publikum gefiel's.

Helge bediente sechs Instrumente
Multiinstrumentalist Helge ("In Frankreich können sie kein 'H' aussprechen, deshalb nenne ich mich dort 'Elke') bediente bei dem mehr als zweistündigen Auftritt nicht weniger als sechs Instrumente (Gitarre, Spinett, Saxofon, Trompete, Vibraphon und Mundharmonika), und das durchaus gekonnt. Seinen Hit "Katzeklo" - als Klavierstück im Ohr - improvisiert der Rheinländer etwa virtuos am Vibraphon. Bei "Trompeten von Mexiko" flocht Schneider den "Donauwalzer" und den "Vogerltanz" ein. Höhepunkt des Abends: Die Ballade vom "Meisenmann", bei der Schneider u.a. Tenor-Qualitäten bewies und gekonnt seinen deutschen Landsmann, den Rockmusiker Udo Lindenberg, parodierte.

Auch die Jazz-Freunde kamen dank Schneiders großartiger Begleitband auf ihre Kosten. Bekanntester Mann der Truppe ist Schlagzeuger Pete York, der in den 1960er-Jahren als Mitglied der Spencer Davis Group bekannt wurde, als einer der besten Drummer in den Bereichen Rock, Jazz und Blues gilt und mit einem knapp fünfminütigen Solo brillieren durfte.

Fazit: Mit seinem Auftritt hat der Meister der Improvisation eindrucksvoll bewiesen, dass der er bedeutend mehr ist, als sein bekanntestes Lied "Katzeklo", und es unfair ist, ihn auf einen Klamauk-Affen mit Jazz-Einsprengsel zu reduzieren. Denn dass der 53-Jährige durchaus imstande ist auch ernsthaften als Jazzer zu musizieren, hat er - wenn auch meist nur in Ansätzen – bei seinem Wien-Gastspiel bewiesen.

von Wilhelm Eder
Foto: Andreas Graf

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