Mi, 23. Mai 2018

Drastische Zahlen

06.02.2009 15:31

Krankmacher am Arbeitsplatz kosten Milliarden

Krankmachende Arbeitsbelastungen führen nicht nur zu dauerhaften gesundheitlichen Schäden bei den Beschäftigten, sie kosten die Wirtschaft auch Milliarden. Allein durch physische Arbeitsplatzbelastungen entstehen in Österreich jährlich gesamtwirtschaftliche Kosten von 2,8 Milliarden Euro, was in etwa 1,2 bis 1,3 Prozent des BIP entspricht. Dies geht aus einer von der Arbeiterkammer in Auftrag gegebenen Wifo-Studie hervor. Würde man die psychischen Belastungen zu diesen Kosten dazurechnen, würden sich die Zahlen in etwa verdoppeln, so AK-Präsident Herbert Tumpel.

Verbesserungen bei stark belasteten Arbeitsplätzen könnten laut Wifo schätzungsweise bis zu 1,7 Milliarden Euro an Einsparungen für die Wirtschaft bringen. Insgesamt betragen die jährlichen Kosten für Krankenstände 12,7 Milliarden Euro. Auf sechs in der Studie berücksichtigte körperliche Belastungen entfallen mit 2,8 Milliarden Euro fast ein Viertel oder 23 Prozent aller Krankenstandkosten.

Im Detail entfallen davon 19,1 Prozent auf schwere körperliche Arbeit, 16,1 Prozent auf Einwirkungen von Vibrationen, 15,3 Prozent auf Arbeit mit gefährlichen Stoffen, 13,1 Prozent auf die Gefahr von Arbeitsunfällen, 6,4 Prozent auf erzwungene Körperhaltungen bei der Arbeit und 2,8 Prozent auf Belastungen durch das Tragen von Schutzausrüstungen. Die Gesamtkosten gliedern sich in 570 Millionen Euro Entgeltfortzahlungen und Krankengeld, 930 Millionen Euro entfallene Wertschöpfung und 1,3 Milliarden Euro kosten die Krankenbehandlungen.

Massenhaft Übertretungen der Arbeitnehmerschutznormen
Tumpel fordert daher von den Arbeitgebern notwendige Schutzmaßnahmen ein. Denn davon profitieren auch die Unternehmen, die letztendlich Kosten sparen. Wesentlich sei, dass die bestehenden Schutznormen auch eingehalten werden. So hat das Arbeitsinspektorat 2007 rund 95.000 Betriebsbegehungen durchgeführt und 64.000 Übertretungen der Arbeitnehmerschutznormen festgestellt.

Das Arbeitnehmerschutzgesetz (AschG) und die entsprechenden Verordnungen müssen aktualisiert werden, wünscht sich der AK-Präsident. Unter anderem müssten die Grenzwerte für gesundheitsschädliche Arbeitsstoffe aktualisiert und schweres Heben begrenzt werden. Für gesundheitsschädliche Maschinen kann sich Tumpel eine "Verschrottungsprämie" vorstellen. Aus dem "Aktionsplan für ältere Arbeitnehmer" sollten die gesundheitsrelevanten Forderungen schnellstens umgesetzt werden. Denn Ziel sei die Verhütung von Krankheiten statt die Frühpensionierung von Kranken.

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