Mi, 23. Mai 2018

Duell der US-Vizes

03.10.2008 15:48

Palin bei TV-Duell besser als erwartet

Gravierende Unterschiede in der Wirtschafts- und Außenpolitik haben den Schlagabtausch zwischen den beiden Kandidaten für das Amt des US-Vizepräsidenten bei der TV-Debatte am Donnerstagabend in St. Louis im Bundesstaat Missouri geprägt. Der republikanischen Kandidatin, Alaskas Gouverneurin Sarah Palin, gelang es dabei, nach den jüngsten Pannen bei Interviews die Positionen ihrer Partei meist selbstbewusst zu vertreten.

Der demokratische Vize-Kandidat Joe Biden kritisierte scharf die Marktgläubigkeit des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain. Dieser habe sich wie US-Präsident George W. Bush trotz der Finanzkrise für weitere Deregulierung eingesetzt und noch Stunden vor Ausbruch der jüngsten Finanzkrise von der Stärke der US-Wirtschaft geschwärmt. "Das macht John McCain nicht zu einem schlechten Kerl, aber er ist nicht auf der Höhe der Zeit", sagte Senator Biden.

Biden verteidigte die Pläne des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama, die Steuern für die reichsten fünf Prozent der US-Bevölkerung zu erhöhen. Das sei ein Gebot der "Fairness". Er beschuldigte zudem die Regierung des Republikaners Bush, in den vergangenen acht Jahren für die "schlechteste Wirtschaftspolitik, die wir je hatten" verantwortlich zu sein. Deshalb sei diese Wahl jetzt die wichtigste seit 80 Jahren.

Palin zufolge seien Gier, Unverantwortlichkeit und Korruption an der Wall Street für die gegenwärtige Finanzkrise verantwortlich. McCain habe schon vor zwei Jahren versucht, die angeschlagenen Immobilien-Finanzinstitute stärker zu kontrollieren.

Palin warnt vor Zugeständnissen gegenüber Feinden der USA
Stärker in die Defensive geriet Palin wie erwartet beim Themenkomplex Außenpolitik, in der sie eine an McCain orientierte harte Linie fuhr. Sie warnte vor Nachgiebigkeit und Zugeständnissen gegenüber den Feinden der USA und kritisierte die Ankündigung Obamas, sich ohne Vorbedingungen auf Gespräche mit den politischen Führern von Ländern wie dem Iran oder Venezuela einzulassen. Diese Regierungen hassten die USA, sagte Palin.

Biden verwies hingegen auf die überragende Bedeutung der Diplomatie. Dies gelte insbesondere für das Bemühen, den Iran vom Bau von Nuklearwaffen abzuhalten. Fünf frühere US-Außenminister und die europäischen Verbündeten setzten sich immer wieder dafür ein, dass die US-Führung endlich direkt mit den Verantwortlichen im Iran spreche. Zum Ausschöpfen aller diplomatischen Mittel gebe es keine Alternative, so der Senator.

Palin warf Obama wiederum vor, gegen die Finanzierung der US-Truppen im Irak gestimmt zu haben. Seine Strategie im Irak führe zu einer Niederlage der USA im Kampf gegen den Terrorismus. Biden betonte, die Demokraten hätten lediglich versucht, über die Etatabstimmung einen Termin für den US-Truppenrückzug im Irak festzulegen.

Umfrage sieht Biden als Sieger, aber Palin besser als erwartet
Eine vom TV-Sender CNN unmittelbar nach dem TV-Duell durchgeführte Umfrage weist den Demokraten als eindeutigen Sieger über die Republikanerin aus: 51 Prozent der befragten Zuseher sahen den Senator aus Delaware als Sieger, 36 Prozent empfanden die Gouverneurin von Alaska als die stärkere Person.

Da Palin im Vorfeld der TV-Debatte mit eher schwachen Interview-Leistungen (siehe Infobox) auch für ihre Anhänger Anlass zur Sorge gegeben hatte, war es umso überraschender, dass 84 Prozent der Befragten meinten, die 44-Jährige habe eine bessere Performance gezeigt als erwartet.

"Ich bin viel mehr beeindruckt, als ich dachte", sagte der 45-jährige Brian Elias nach der 90-minütigen Debatte. Er habe erwartet, dass er nach dem Fernsehduell seine Wahlentscheidung für Barack Obama fällen werde. "Aber ihre Leistung lässt mich unentschlossen", räumte Elias ein. "Ich mag die Art, wie sie zu den Leuten spricht", sagte Mary Ziemianek angesichts Palins direktem Blick in die Kamera. "Ich hoffe, sie wird eines Tages Präsidentin."

"Königin der Allgemeinplätze"
Dennoch finden 53 Prozent, dass Palin nicht für das Präsidentenamt qualifiziert sei, nur 46 Prozent halten sie für befähigt, im Ernstfall - etwa im Todesfall von John McCain - das Ruder übernehmen zu können. "Sie hat gut gesprochen, aber ihre Argumente waren Lügen oder Manipulationen", kritisierte die 60-jährige Sue Gibbs aus Wasilla, wo Palin ihre politische Karriere als Stadträtin und Bürgermeisterin begann.

Die 27-jährige Tami Toussaint nannte Palin die "Königin der Allgemeinplätze". "Ich halte sie nicht für dumm, ich denke nur, sie spielt in einer anderen Liga." Ähnlich äußerte sich der 57-jährige Don Nygaard, der für Obama stimmen will: "Sie lieferte keine Fakten für ihre Argumente. Sie setzte eher auf die emotionale Perspektive."

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