Sa, 18. November 2017

Schräges in Belgrad

01.08.2008 07:37

„Pop-Art Radovan“-Tour für Touristen

Jahrelang hat sich Radovan Karadzic, der ehemalige Führer der bosnischen Serben, in Belgrad vor einer Verhaftung wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen versteckt. Unter dem Pseudonym Dragan Dabic lebte er unbehelligt als Naturheiler, hielt Vorträge, er besuchte Kaffeehäuser und Bars. Eine Belgrader Reiseagentur schlägt daraus nun Profit und bietet eine "Pop-Art Radovan"-Tour der Lieblingsplätze des Kriegsherren an.

Geradezu idyllisch beschreibt die Reiseagentur Vekol Tours den Besuch der letzten Stationen von Radovan Karadzic in Freiheit - dass er wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Verletzung des Kriegsrechtes und schwerer Verstöße gegen die Genfer Konventionen vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag angeklagt ist, stört da offenbar nicht. "Es ist ein komplett unpolitisches Programm. Wir wollen keine politischen Meinungen verbreiten", ließ Agenturchefin Tanja Bogdanov gegenüber der Nachrichtenagentur AFP wissen.

Den Link zum Tourangebot findest du in der Infobox!

Touristen erleben bei "Pop-Art Radovan" einen ganz normalen Tag im Leben des mutmaßlichen Kriegsverbrechers in Verkleidung: Von seiner Wohnung geht es zuerst zur Bäckerei, wo Karadzic sein Frühstück eingekauft hat. Gegenüber befindet sich eine Trafik, wo sich der 63-Jährige die Zeitung besorgte, um über das Tagesgeschehen auf dem Laufenden zu sein.

Nach einem Spaziergang im Park besuchen die Tourteilnehmer einen Lebensmittelladen, in dem Karadzic als einer der Lieblingskunden bezeichnet wurde. Mit einem kalten Bier in der Hand können dann die Nachbarn zum Leben des untergetauchten Kriegsherren befragt werden. Danach steht der Besuch von Karadzics Lieblingsbar auf dem Programm, anschließend können sich die Touristen bei Palatschinken stärken - einem Lieblingsgericht Karadzics. Zum Abschluss wird der Sondergerichtshof besichtigt, wo der 63-Jährige vor seiner Überstellung in die Niederlande inhaftiert war.

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