Di, 21. November 2017

Agenten-Kracher

27.06.2008 13:41

Das Bourne Komplott

Mit Martinis, seien sie nun geschüttelt oder gerührt, sowie Aston Martins hat der an Gedächtnisverlust leidende Jason Bourne nichts am Hut. Der von Autor Robert Ludlum ins Leben gerufene CIA-Haudege versteht sich als krasses Gegenstück zum bekannten Doppel-Null-Agenten ihrer Majestät. Nach drei erfolgreichen Kinofilmen lässt Jason in "Das Bourne Komplott" nun auch auf Xbox 360 und PS3 die Fäuste fliegen.

Auf Matt Damon, der den Agenten in den Verfilmungen verkörperte, muss dabei allerdings verzichtet werden. Der Action tut dies jedoch keinen Abbruch. In klassischer 3rd-Person-Manier hetzt man als Jason Bourne von einem Schauplatz zum nächsten, die Fäuste und zwei Schießprügel (eine Pistole, ein Gewehr) dabei stets im Anschlag.

Schließlich gibt es allerlei Bösewichte, die dem, wie aus "Die Bourne Identität" bekannt, an Gedächtnisverlust leidenden Agenten ans Leder wollen. Das auf den Ereignissen des Buches (bzw. des ersten Kinofilms) basierende Spiel erweitert unter Mitarbeit von Film-Drehbuchautor Tony Gilroy die bekannte Geschichte jedoch um zusätzliche Aspekte aus Bournes Vergangenheit.

Das Spielprinzip ist denkbar einfach: Mit einem Button schlägt, mit einem anderen tritt der Agent. Ein weiterer dient je nach Szenario zum Blocken, Suchen von Deckung oder zum Springen. Wird die Waffe gezückt, darf ein Gegner mit Hilfe der Schultertasten erst anvisiert und schließlich eliminiert werden, wie es im Agenten-Fachjargon heißt.

Je mehr Gegner ausgeschaltet werden, umso schneller füllt sich eine dreistufige Adrenalin-Leiste, die für einen so genannten "Takedown" verwendet werden kann: Ein schneller Handkantenschlag oder gezielter Schuss, der weitere Diskussionen überflüssig macht und einen Feind ohne Umschweife über den Jordan befördert. Dies ist insbesondere dann praktisch, wenn die Zeit mal wieder gegen Bourne arbeitet und dieser möglichst schnell von einem Ort verschwinden muss.

Zu guter Letzt kann Bourne auf Knopfdruck noch von seinem speziellen Agenten-Sinn Gebrauch machen. Dieser markiert auf einer Mini-Map nicht nur den nächsten Ausgang, sondern hebt vor allem besondere Gegenstände oder taktische Ziele in der Umgebung optisch hervor. Die in Scharen auftretenden Widersacher können so leichter ausfindig gemacht werden.

Was bislang nach einem beliebigen 08/15-Shooter klingt und sich streng genommen auch so spielt, lebt in erster Linie von der filmischen Umsetzung: Wie im Lichtspieltheater des Vertrauens jagt der Spieler von einem Höhepunkt zum nächsten. Verschnaufpausen gibt es dabei ebenso wie Ladepausen kaum, schließlich wurde jede noch so kleine Zwischensequenz mit Quick-Time-Events angereichert. Das Spiel wird so zum interaktiven Film.

Auch die Kämpfe wurden mit schnellen Schnittfolgen und rotierenden Kameras ungemein packend inszeniert. Besonders sehenswert sind selbst nach längerem Spielen die "Takedowns", in denen Bournes Widersacher die unliebsame Bekanntschaft mit Glastischen, Bücherregalen und anderen, weitgehend zerstörbaren Objekten der Umgebung machen müssen. Kurzum: Selten war es schöner, seinem Gegenüber den Hintern zu versohlen.

Die akustische Aufmachung steht dabei der optischen in nichts nach: Für den stimmungsvollen Soundtrack zeichnet sich der weltbekannte DJ, Remixer und Produzent Paul Oakenfold verantwortlich, für Bournes Stimme konnte man Matts Damon deutsche Original-Stimme gewinnen.

Doch auch "Das Bourne Komplott" muss sich der Kritik aussetzen: Sämtliche Level, sei es etwa an Bord eines Frachters im Mittelmeer, am Flughafen von Zürich, in der Stadt der Liebe oder am Steuer eines Mini Coopers, sind streng linear aufgebaut und lassen dem Spieler wenig Handlungsfreiheit. Deutlich schwerer wiegt jedoch, dass Bourne bereits von Beginn an eine perfekt ausgebildete Kampfmaschine ist - hat man den ersten Level gespielt, kennt man auch den Rest. Der Wiederspielwert sinkt somit, nicht zuletzt auch wegen eines fehlenden Online-Modus.

Fazit: Rasante und packende Action, die den Vergleich mit einem Film nicht zu scheuen braucht - dafür steht "Das Bourne Komplott", die bislang wohl eindrucksvollste Umsetzung eines Hollywood-Blockbusters für die Konsole. Schade nur, dass sich der Wiederspielwert aufgrund des linearen Levelaufbaus sowie Bournes angeborener Perfektheit in Grenzen hält. Wer darüber hinweg sehen kann, wird - wenn auch vergleichsweise kurz - bestens unterhalten werden.

Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3
Publisher: Vivendi Games
Krone.at-Wertung: 8/10


von Sebastian Räuchle

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden