Das freie Wort

„Faust“ an der Wiener Staatsoper

Vorweg: Ich kenne die Oper von Charles Gounod ziemlich gut und habe sie schon oft gehört. Aber bei der Übertragung in ORF III wähnte ich mich im falschen Stück. Natürlich habe ich auch Goethes „Faust I“ und „Faust II“ gelesen, dazu den „Doktor Faustus“ von Thomas Mann, bin mit dem Stoff also hinlänglich vertraut. Aber wie der bedauernswerte Juan Diego Flórez, von dem wir wissen, dass ihm das gefürchtete hohe C in der Cavatine im dritten Akt nicht die geringste Mühe bereitet, in der Anfangsszene herumgelaufen ist, mit einer lächerlichen Perücke, dachte ich den Affen Rotpeter in Franz Kafkas „Bericht für eine Akademie“ vor mir zu haben. Schade um die wunderbare Musik! Mein Mitleid gilt den hervorragenden Sängern. An der New Yorker Met, die im Gegensatz zu unserer Staatsoper privat und nicht mit Steuergeldern finanziert wird, hätte man so einen Regisseur jedenfalls mit dem sprichwörtlichen nassen Fetzen aus dem Haus gejagt. Fünf Minuten einer Inszenierung unseres Otto Schenk tausche ich jedenfalls liebend gerne gegen das Gesamtwerk von Herrn Frank Castorp ein. Und in die Staatsoper würde ich zu so einer Geschmacklosigkeit nicht einmal gehen, wenn man mir sehr viel dafür zahlen würde. Wer redet übrigens von einer angeblich „gefeierten Inszenierung“? Das ist höchstens eine gefeuerte Inszenierung. Möglichst bald bitte!

Christian Eder, St. Valentin
Erschienen am Do, 13.5.2021

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