19.03.2008 17:16 |

Ton verschärft

"Kampf auf Leben und Tod" gegen "Dalai-Clique"

Die chinesische Führung hat den Ton im Tibet-Konflikt deutlich verschärft und ein hartes Vorgehen gegen die Anhänger des exilierten Dalai Lama angekündigt. "Wir befinden uns mitten in einem heftigen Kampf aus Blut und Feuer, einem Kampf auf Leben und Tod mit der Dalai-Clique", sagte der Sekretär der Kommunistischen Partei in Tibet, Zhang Qingli, laut einem Online-Bericht der "China Tibet News" vom Mittwoch. Knapp einen Tag nach dem Ablauf eines Ultimatums der chinesischen Regierung haben sich in Tibet unterdessen mehr als 100 Demonstranten den Behörden gestellt.

Zhang, ein Han-Chinese, sprach sich zugleich für eine schärfere politische Kontrolle in Tibet aus und stellte eine neue Anti-Separatismus-Kampagne in Aussicht. Den mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso, bezeichnete Zhang als einen "Wolf in Mönchskutte".

"Auch wenn sich die Lage beruhigt, wird die Dalai-Clique nicht von ihren teuflischen Absichten ablassen", wurde Zhang zitiert. Der Kampf gegen den Separatismus werde sehr intensiv sein müssen. Ministerpräsident Wen Jiabao hatte bereits am Vortag dem Exil-Oberhaupt der Tibeter auf einer Pressekonferenz in Peking vorgeworfen, die Unruhen angezettelt zu haben.

Tibeter stürmen Provinzstadt
Mehr als tausend Tibeter, einige von ihnen zu Pferd, haben am Mittwoch laut einem kanadischen Fernsehbericht eine entlegene Stadt in der chinesischen Provinz Gansu gestürmt. Wie CTV berichtete, gingen rund hundert schwerbewaffnete Soldaten mit Tränengas gegen die Tibeter vor, als diese das Regierungsgebäude angriffen. In dem TV-Beitrag waren laute Detonationen zu hören. Zugleich waren zahlreiche tibetische Männer und Frauen zu sehen, die in Panik flüchteten. Einige von ihnen bedeckten offenbar wegen des Tränengases ihren Mund. Ein Mann blutete heftig aus einer Kopfwunde, er berichtete einem CTV-Reporter, dass er geschlagen worden sei. Zu sehen war auch, wie eine Gruppe von Menschen die chinesische Flagge von einem Schulgebäude herunterholte und stattdessen die Fahne Tibets hisste.

"Aufrührer" stellen sich den Behörden
Unterdessen haben sich in Tibet knapp einen Tag nach dem Ablauf eines Ultimatums der chinesischen Regierung amtlichen Angaben zufolge mehr als 100 Demonstranten den Behörden gestellt. 105 tibetische "Aufrührer", die an den Protesten in Lhasa beteiligt gewesen seien, hätten sich ergeben, meldete die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua.

Sie alle seien an den Krawallen beteiligt gewesen, zitierte Xinhua den Vizechef der tibetischen Regierung, Baema Chilain. Sie hätten "geschlagen, zerstört, geplündert und gebrandschatzt". "Einige haben das Geld zurückgegeben, dass sie gestohlen haben", sagte Baema. Die Agentur zitierte zudem einen Demonstranten, der sich den Behörden stellte. Der 25-Jährige berichtete, er habe betrunken zu Hause gesessen, als er die Ausschreitungen gehört habe und beschlossen habe, sich den Demonstranten anzuschließen.

Dalai Lama droht mit Rücktritt
Tags zuvor hatte der Dalai Lama seinen Rücktritt für den Fall angekündigt, dass die gewaltsamen Proteste von Tibetern gegen die chinesische Fremdherrschaft außer Kontrolle geraten sollten. "Sollten die Tibeter den Weg der Gewalt wählen, müsste er zurücktreten, denn er ist völlig der Gewaltfreiheit verpflichtet", erklärte Tenzin Tahkla, Berater des seit März 1959 im indischen Exil lebenden Dalai Lama. "Er würde als politischer Führer und Staatsoberhaupt zurücktreten, aber nicht als Dalai Lama. Er wird immer der Dalai Lama bleiben." Der Führer des Tibetischen Jugendkongresses, Tsewang Rigzin, griff unterdessen den Dalai Lama wegen dessen Verzichts auf einen Aufruf zum Olympiaboykott an und forderte die Tibeter auf, ihre Proteste fortzusetzen.

Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao hatte zuvor die "Clique" des Dalai Lama für die vor über einer Woche ausgebrochenen Unruhen verantwortlich gemacht, die inzwischen auch auf andere Provinzen - Sichuan, Qinghai, Gansu - übergegriffen haben. Die Unruhen hätten schwere Verluste an Menschenleben und Eigentum verursacht, sagte Wen am Dienstag in Peking.

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