12.11.2007 21:13 |

Kunden verloren

Post will nach Vertragsschlappe Personal abbauen

Die Österreichische Post zieht Konsequenzen aus dem Absprung der großen Versandhäuser Otto/Universal Versand und Quelle/Neckermann. Der Aufsichtsrat hat am Montag Grünes Licht für einen 3-Punkte-Plan gegeben. Demnach soll ein Teil der derzeit 2.000 Mitarbeiter im Paket-Bereich abgebaut werden - wie viele Jobs betroffen sind, steht noch nicht fest.

Gleichzeitig will die Post dem drohenden Einbruch des Paket-Volumens um 15 Millionen Pakete im nächsten Jahr mit neuen Angeboten gegensteuern. Weil der neue Haupt-Konkurrent Hermes auch abends und an Wochenenden zustellt und, falls beim ersten Mal keiner die Tür öffnet, drei weitere Zustellversuche startet, will das jetzt auch die Post „auf Durchführbarkeit prüfen“ - ebenso wie neue größenabhängige Tarife, die Post-Generaldirektor Anton Wais bereits angekündigt hat.

Und drittens steckt sich die Post neue ehrgeizigere Ziele im Geschäftspaket-Segment, in das sie erst Mitte des Vorjahres gestartet ist. Statt 10 Prozent Marktanteil bis 2009 strebt die Post in der Paketzustellung zwischen Unternehmen jetzt 20 Prozent Marktanteil bis 2010 an.

Vorstand bleibt unverändert erhalten
Das Detailkonzept wird der Vorstand allerdings erst bis Mitte Dezember dem Aufsichtsrat vorlegen. Die nächste Sitzung ist für 12. Dezember angesetzt. Erst dann wird auch der endgültige Beschluss im Kontrollgremium fallen. Dem bisherigen Vorstand haben die Kapitalvertreter im Aufsichtsrat ungeachtet der jüngsten Turbulenzen einstimmig ihr Vertrauen ausgesprochen. „Der Vorstand bleibt in seiner jetzigen Konstellation unverändert“, versicherte ÖIAG-Vorstand und Aufsichtsratspräsident Peter Michaelis am späten Nachmittag - auch wenn es zuvor im Aufsichtsrat für Post-Generaldirektor Wais grobe Schelte gegeben haben soll.

Kritik an Wais: Paket-Tarife zu kräftig erhöht?
Es habe „heftige Diskussionen“ gegeben, zumal Wais noch im September einen Einstieg von Hermes dezidiert ausgeschlossen habe, hieß es in Aufsichtsratskreisen. Außerdem soll die Post unter seiner Führung vor drei Jahren die Transportgebühren noch kräftig nach oben geschnalzt haben. Erst daraufhin, so die Kritik, solle Otto ernsthaft in Erwägung gezogen haben, mit Hermes nach Österreich zu kommen. Bedenken, die man in der ÖIAG, mit 51 Prozent Haupteigentümerin der Post, nicht kommentieren wollte. Allerdings unterstrich die Staatsholding: Im nächsten Post-Aufsichtsrat am 12. Dezember werde „lediglich über die Erweiterung des Vorstands (um ein fünftes Mitglied) gesprochen werden“.

Gewerkschaft will im Management Köpfe rollen sehen
Reaktion der Gewerkschaft: Wenn „die Häuptlinge fröhliche Urstände feiern“, werde man sich erst recht „keine einen blauen Brief an die Indianer gefallen lassen“. Post-Gewerkschaftschef Gerhard Fritz erneurte am Abend seine Forderung nach personellen Konsequenzen. Dass durch den Wegfall von 15 Millionen Pakete auch Arbeitsplätze verloren gehen würden, sei klar.

Die betroffenen Mitarbeiter müssten jedoch „sozial verträglich in andere Bereiche versetzt werden“. Und Vertragsauflösungen kämen für die Gewerkschaft nur dann in Frage, wenn es einen Sozialplan gibt und die betroffenen Mitarbeiter die Konditionen freiwillig annehmen. Ab Donnerstag soll mit dem Vorstand verhandelt werden.

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