Di, 11. Dezember 2018

Tödlicher Stromstoß

29.10.2007 10:48

16-Jähriger gerät in Hochspannungsleitung

15.000 Volt haben in der Nacht auf Sonntag auf dem niederösterreichischen Bahnhof Ernsthofen das Leben des 16-jährigen Raphael W. ausgelöscht. Mit drei Freunden wollte er zu einer Disco fahren. Weil der Regionalzug jedoch Verspätung hatte, hantierten die Burschen mit langen Alu-Röhren, die beim Bahnsteig lagen - bis Raphael damit in eine 15-kV-Hochspannungsleitung geriet...

"Helfts mir bitte. Ich bin im Stromkreis!" Das waren die letzten Worte des 16-jährigen Lehrlings. Dann sackte der Bursch leblos zusammen. Seine geschockten gleichaltrigen Freunde versuchten verzweifelt, Raphael zu reanimieren, alarmierten dann die Rettung. Aber auch ein Notarztteam konnte den Jugendlichen nicht mehr ins Leben zurückholen. Der 15.000 Volt starke Stromschlag hatte sein junges Herz für immer stillstehen lassen.

Gemeinsam hatten die Jugendlichen am Samstagabend zu einer Diskothek nach Haidershofen fahren wollen. Weil der Bahnhof von Ernsthofen im Bezirk Amstetten derzeit gerade saniert wird, lagen die vier bis sechs Meter langen Aluminiumröhren herum. In dem diffusen Licht dürften die Teenager die Gefahr, die durch die Hochspannungsleitung der Bahn drohte, gar nicht bemerkt haben.

Sein Vater ahnte das Schlimmste
Raphaels Vater Karl W. erfuhr durch einen Anruf von dem Unglück: "Ich hab nur gewusst, dass dem Raphael beim Bahnhof etwas passiert ist. Ich hab ihn immer wieder am Handy angerufen. Weil er aber nicht abhob, hab ich mich ins Auto gesetzt und bin losgefahren. Aber schon bei der langen Geraden vor dem Bahnhof hab ich richtiggehend gespürt, dass das Schlimmste geschehen ist."

Um 21.19 Uhr konnte das Notarztteam aus Steyr nur noch den Tod des Burschen bestätigen. Und dessen geschockte Freunde trösten: Denn auch sie hätten mit den Alustangen in die tödliche Stromfalle geraten können.

Der trauernde Vater kann den Tod seines Sohnes noch gar nicht fassen und meinte zur "Krone": "Der Raphael war wirklich ein lieber Bub, wie man ihn heutzutage lange suchen muss."

von Christoph Gantner, Kronen Zeitung

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