So, 19. August 2018

Mutter vor Gericht

03.10.2007 17:39

Familiendrama in Oberösterreich: Noch kein Urteil

Ohne Urteil ist am Mittwoch in Klagenfurt der inzwischen dritte Prozesstag jenes Gerichtsverfahrens zu Ende gegangen, in dem die Staatsanwaltschaft einer 53 Jahre alten Oberösterreicherin vorwirft, ihre drei Töchter jahrelang von der Außenwelt abschottet zu haben. Verteidiger Helmut Blum verlangte ein weiteres Gutachten, das genaueren Aufschluss über die Aussage- und Vernehmungsfähigkeit der beiden älteren Schwestern geben soll. Der Schöffensenat unter Richterin Michaela Wietrzyk gab diesem Antrag statt.

Die zwei betroffenen jungen Frauen befinden sich aus Therapiezwecken nach wie vor in einer sozialen Einrichtung in Kärnten. Der psychiatrische Sachverständige Walter Wagner attestierte den beiden, nicht aussage- und vernehmungsfähig zu sein. Eventuelle Äußerungen in der Causa könnten eine Gefährdung ihre psychischen Situation darstellen.

"Krise" durch Begegnung mit Mutter
Schon eine kurze Begegnung mit der Mutter würde eine "massive Krise" auslösen, meinte der Psychiater. Allerdings war Wagner von der Sachwalterin nicht direkt zu den zwei Mädchen vorgelassen worden und hat in der Folge im Auftrag des Gerichtes anhand anderer Gutachten lediglich eine "Umfelderhebung" durchgeführt.

"Eine direkte psychiatrische Begutachtung ist zur Wahrheitsfindung dringend notwendig", wandte der Strafverteidiger ein. "Dass ein Sachverständiger mit den Kindern spricht, ist nicht traumatisierend", meinte auch der von der Richterin zu dem Thema befragte Gerichtspsychiater Reinhard Haller, der in dem Verfahren ein Gutachten bezüglich des Geisteszustandes der Mutter erstellt hatte.

Haller: "Sehr abgeschottet"
Ihm seien "keinerlei wissenschaftliche Hinweise bekannt, dass die Erhebung eines allgemeinen Status irgendwelche Folgen hinterlassen könnte", meinte Haller. In Bezug auf das Therapiezentrum, in dem die zwei jungen Frauen untergebracht sind, sprach Haller von einem System, dass offenbar "sehr abgeschottet" sei. Haller: "Ich weiß nicht, was dabei sein soll, wenn man einmal hineinschaut."

Die beiden Mädchen sollen nun laut Wietrzyk von Wagner direkt befragt werden. Es gehe um eine "Statuserhebung" und "nicht um eine Befragung in der Sache", betonte die Richterin. Außerdem werde eine "therapeutische Vorbereitung" in Auftrag gegeben. Die jüngste Schwester lebt inzwischen bei ihrem Vater in Oberösterreich und hat sich der Aussage vor Gericht entschlagen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.