19.05.2007 15:59 |

Diablo lässt grüßen

Mage Knight: Apocalypse

Als Vorbild Diablo, als Selbstbeschreibung Hack'n'Slay, als Geschichte eine prototypische Fantasy-Story rund um eine zu rettende Welt, dazu ein bisschen Charakterentwicklung - fertig ist "Mage Knight: Apocalypse".

Das Game spielt sich leider so unspannend wie sich die Beschreibung liest - ganz abgesehen von technischen und spielerischen Schwächen. Das liegt vor allem an der lieblosen Story, die wie aus zahllosen Genrekollegen zusammengeklaut wirkt.

Fünf unterschiedliche Charaktere stehen am Anfang des Spiels zur Auswahl - mit dabei unter anderem ein Krieger, eine halbnackte Amazone und ein Drachenwesen. Kleine Veränderungen im Äußeren sind möglich, jedoch weit nicht so umfangreich wie in zahllosen anderen Games - ob das wirklich notwendig ist, sei dahingestellt.

Wichtiger: Die Differenzierung des Charakters ist mittels Eigenschaften und Fähigkeiten möglich. Magie, Stärke, Schnelligkeit - worauf mehr Wert gelegt wird und was den Stärken des Charakters entgegenkommt, wird ausgebaut und wirkt sich auf das Kampfverhalten desselben aus.

Nach einem unspannenden Intro, das eine Identifizierung mit der Spielfigur von Anfang an unmöglich macht, geht es ab ins Geschehen. Zuerst müssen leicht zurückgebliebene Orks als Zielscheiben und Übungsobjekte herhalten. Die sind zwar keine aufregenden Gegner, doch der Frust für den Spieler beginnt schon hier.

Das Point&Click-System hat unzählige Macken: Einen Gegner anzuklicken, um ihn anzugreifen, ist schwieriger als gedacht - besonders wenn sich der bewegt. Abgesehen davon greift die Spielfigur nicht automatisch weiter an, bis ein Gegner tot ist - nein, der Gamer wird dazu genötigt, so lange auf die Maustaste zu drücken, bis der Bösewicht erledigt ist. Dass es oft einige Sekunden dauert, bis die Spielfigur nach einem Zauberspruch überhaupt wieder dazu zu bewegen ist, anzugreifen, hilft da freilich nicht.

Ist ein Gegner dann nach einer wahren Klickorgie erledigt, kann der Spieler seine Hinterlassenschaften aufsammeln. Das ist aufgrund des winzig geratenen, fummeligen Inventars aber kein Vergnügen. Eine der besseren Ideen des Games - wenn auch kein Novum - ist dagegen die Möglichkeit, das Brauen von Heiltränken zu erlernen. Mithilfe gesammelter Kräuter kann so schnell Nachschub geschaffen werden, etwa für Gesundheitstränke.

Das ist auch bitter nötig, denn wegen der ärgerlichen Steuerung stirbt der Charakter an allen Ecken und Enden. Steht etwa ein Hindernis zwischen Gamer und Gegner, lässt sich der Charakter nicht dazu bewegen, diesen anzugreifen - stattdessen bleibt er stehen und stirbt (mit absoluter Sicherheit). So bleibt nur eine Taktik: Angreifen, früher oder später sterben, bei Kristallen neu starten (ohne Verluste, die Gegnerschar bleibt allerdings dezimiert wie vor dem Tod) und wieder auf Monsterjagd gehen... Hört sich langweilig an? Ist es auch! Wer hat schon Lust, ständig ohne Konsequenzen wiederbelebt zu werden und so lange zu metzeln, bis kein Gegner mehr übrig ist?

Fazit: Zum Leidwesen des Gamers entwickeln sich im Laufe des Spiels weder Geschichte noch Grafik - die irgendwo vor wenigen Jahren stecken geblieben ist - oder die fade Synchronisation zum Besseren. Zum Glück werden in den nächsten Monaten einige ähnliche Games erwartet. Wer es bis dahin gar nicht mehr aushält und auf stumpfes Monster-Metzeln steht, kann bei "Mage Knight: Apocalypse" allerdings zugreifen.

Plattform: PC
Publisher: Namco
Krone.at-Wertung: 62 %

von Bernadette Geißler

Montag, 14. Juni 2021
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