Mo, 22. Oktober 2018

Heimstudium

25.09.2017 08:08

Verändertes Wohnangebot für Studierende in Wien

Die Palette an Wohnmöglichkeiten für Studierende ist in den vergangen Jahren immer breiter geworden. Sie reicht vom günstigen Doppelzimmer im Studentenheim bis hin zum schicken Design-Apartment.

Die langen Sommerferien sind zu Ende, in Kürze laufen auch Fachhochschulen und Universitäten wieder auf Vollbetrieb. Tausende junge Menschen strömen in die Stadt, um deren vielfältige Bildungseinrichtungen zu nutzen. Sie kommen aus nahe gelegenen Bundesländern oder aus dem fernen Ausland, viele auf der Suche nach einer Wohnung, einem Zimmer, einem Ort, an dem sie schlafen und in Ruhe lernen können. Vielleicht findet sich ja noch ein Bett im Studentenheim?

Die günstigen Plätze sind bestimmt schon weg. Aber Studentenbude ist ja heutzutage nicht mehr Studentenbude. Neben den preiswerten Lern- und Schlafkojen in den alteingesessenen Heimen findet man mittlerweile eine Handvoll geradezu luxuriöser Alternativen. Hier muss man sich Zimmer und Küche nicht mehr mit dem einen oder anderen Genossen teilen. Jeder hat selbstverständlich sein eigenes Apartment, vielleicht sogar mit Balkon, und ein Concierge im Foyer kümmert sich um die kleinen und mittelgroßen Sorgen der Hausgäste.

Luxus-Buden
In den vergangenen Jahren haben immer mehr derartige "Luxus"-Studentenwohnheime ihre Pforten geöffnet. Wien ist eine Stadt mit international hohen Beliebtheitswerten, viele der Bildungseinrichtungen genießen einen guten Ruf. Rund 200.000 Studierende zählt man in der Stadt - das ist viel mehr als bloß eine Randgruppe.

Längst hat der Markt Lunte gerochen und entsprechend reagiert. Das Angebot an Wohnplätzen für Bildungshungrige ist in den letzten Jahren deutlich vielfältiger geworden. Neben dem guten alten - teilweise immer noch basisdemokratisch organisierten - Studentenheim und der klassischen WG gibt es nun eben auch die etwas nobleren Adressen. Für private Investoren, die auf Immobilien setzen, hat sich da tatsächlich ein eigener kleiner Anlagesektor aufgetan.

Ein erster Meilenstein
Der Immobilienentwickler Milestone war der erste, der vor mittlerweile vier Jahren so ein "Vier-Sterne-Studentenheim" auf den Campus der neuen WU gestellt hat. Heute stehen bereits vier Milestone-Häuser verteilt in ganz Österreich, zwei davon in Wien. Mehrere private Mitbewerber haben nachgezogen. 2015 etwa sind die City Life Apartments in die schick renovierten Backsteingebäude gleich neben dem Meidlinger Bahnhof eingezogen (ein zweites Haus in Penzing steht kurz vor der Eröffnung). Zur gleichen Zeit öffnete auch der Apartmentkomplex Linked-Living im 2. Bezirk seine Pforten. The Fizz wiederum ist ein neues Studenten-Haus mit 633 Wohneinheiten in der Dresdner Straße (20. Bezirk), das dieser Tage - rechtzeitig zu Beginn des Wintersemesters - seinen Betrieb aufnimmt.

Amerikanisierung
Der Trend hin zu Studentenwohnanlagen, die von privaten Investoren realisiert werden, kommt aus dem angloamerikanischen Raum. In den USA und Großbritannien gilt der Markt mittlerweile als einigermaßen gesättigt, weshalb die Idee nun in anderen Metropolen Europas die Runde macht. Auch die Tatsache, dass die neuen Heime oft ganz in der Nähe der Institute gebaut werden, mutet amerikanisch an. Nicht umsonst spricht man zum Beispiel bei der neuen Wirtschaftsuniversität vom "Campus WU".

Das Angebot richtet sich vor allem an Studierende aus wohlhabenderem Elternhaus und/oder dem Ausland. 700 Euro monatliche Miete für ein Studentenapartment sind da keine Abschreckung. Eher im Gegenteil. Die Wohnungspreise in anderen Metropolen sind oft noch viel höher als in Wien.

Einige der Häuser wurden übrigens gar nicht exklusiv für Studierende gebaut, sondern stehen ganz bewusst auch Wirtschaftsreisenden offen, die z.B. während eines Projektes für einige Monate in der Stadt weilen. Man mietet dann eben ein "Business-Apartment" anstelle eines "Student-Apartments" und genießt ein paar Extras mehr.

Alte Schule
Deutlich günstiger ist Wohnen in den guten alten Studentenheimen. Hier kostet ein Schlafplatz ab ungefähr 230 Euro aufwärts. Betriebskosten inklusive. Die Heime werden von verschiedenen gemeinnützigen Organisationen geführt, die allesamt nicht gewinnorientiert wirtschaften, sondern sich per Statut dazu bekennen, jungen Menschen eine gediegene Ausbildung zu ermöglichen, die sich ihre Familien auch leisten können. ÖJAB und Wihast sind zwei der größten und ältesten Heimträgerorganisationen des Landes. Seit beinahe hundert Jahren in der guten Sache tätig, betreiben alleine diese beiden Einrichtungen österreichweit insgesamt mehr als 35 Heime für Tausende Studierende.

Neue Häuser werden auch von den alteingesessenen Organisationen da und dort noch errichtet, meist aber wird in die Erhaltung der bestehenden Heime investiert. In erhöhte Sicherheitsstandards, die komplette Neumöblierung der Zimmer oder in den Ausbau einer attraktiven Gemeinschaftseinrichtung. Die diesbezüglichen Angebote können sich durchaus sehen lassen: Fitnessräume, hauseigene Cafés, W-LAN, Probe- und Veranstaltungsräume, Billardtische, Waschküchen u. ä. erweitern die Alltags- und Freizeitgestaltungsmöglichkeiten und zählen auch in vielen preisgünstigeren Heimen zum Standard.

Der Haken dabei: Fast alle Heime sind um diese Zeit des Jahres restlos ausgebucht. Wer einen Platz will, muss sich so früh wie möglich darum bewerben - das passiert üblicherweise online. Die Wartezeit kann da und dort schon mal ein paar Monate betragen.

Studenten-WG
Eine immer noch beliebte Variante studentischen Wohnens ist die Gründung einer WG. Das kann nicht nur praktisch, sondern auch sehr lustig sein! Allerdings gibt es doch einiges zu bedenken, bevor man sich auf das Wohnabenteuer einlässt. Vor allem aus rechtlicher Sicht ist so eine WG eine komplexe Sache (siehe Info-Kasten). Abgesehen von organisatorischen Aspekten spielt in der WG natürlich das Zwischenmenschliche eine gewichtige Rolle. Mit wem kann und will ich Küche und Wohnzimmer teilen? Mit wem Bad und WC?

Das streitlustige Teufelchen steckt oft im Detail. Es geht ums Putzen, den Inhalt des Eiskastens, das Übernachten WG-fremder Personen, die Lautstärke und - besonders gefährlich - die lieben Finanzen. Hier hilft eigentlich nur eines: Möglichst klare Regeln, die im Vorfeld abgesteckt werden.

Raus aus der Stadt?
In den Städten geht der Trend hin zu immer kleineren Wohneinheiten. Trotzdem ist es angesichts seit Jahren ansteigender Mietpreise für junge Menschen oft schwierig bis unmöglich, sich eine eigene Wohnung in Wien zu leisten, sei sie auch noch so klein. Manche haben aus diesem Grund Wien den Rücken gekehrt und sind nach Niederösterreich gezogen. St. Pölten ist z.B. eine attraktive Stadt mit vielen Angeboten. Mit der neuen Zugverbindung ist man in 23 Minuten am Stadtrand von Wien, mit direktem U-Bahn-Anschluss. Wäre Niederösterreich also eine Alternative für Raum suchende Studentinnen und Studenten?

"Ich sehe diese Option nicht. Es gibt auch keine entsprechende Nachfrage", erklärt Georg Edlauer, Obmann der Immobilientreuhänder der Wirtschaftskammer Niederösterreich und ausgewiesener Branchenexperte. Für den studentischen Alltag sei die relativ kurze Anreise dann eben doch ein wenig zu lang und unpraktisch. Sehr wohl haben sich Städte wie Krems oder St. Pölten in den vergangenen Jahren zu beliebten Studentenstädten entwickelt - aber eben nur für junge Menschen, die vor Ort studieren.

Die Mittelklasse
Zurück zu den Studierendenheimen in Wien: Zwischen den teuersten und günstigeren Häusern haben sich da in jüngerer Zeit auch einige Nischen im mittleren Preissegment aufgetan. Die vier Base-Heime der Wien Holding zum Beispiel. Auch die Akademikerhilfe, ein weiterer großer Heimträgerverband mit langer Tradition, betreibt das ein in der Seestadt Aspern stehen vorübergehend die PopUp Dorms auf Freiflächen, die frühestens in vier Jahren bebaut werden. Bis dahin kommen in den schicken Holzcontainer-Häusern Studierende unter, danach wandern die mobilen Wohneinheiten weiter und werden irgendwo anders aufgestellt. In den genannten Häusern der mittleren Kategorie liegen die Zimmer- bzw. Apartmentpreise etwa zwischen 350 und 450 Euro im Monat.

Günther Kralicek, wohnkrone.at

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