Do, 21. Juni 2018

Volksbühne Aschau

27.07.2017 16:08

Ein schonungsloses Spiegelbild

Wie ist er nun, der Zillertaler? Allein in Tirol kursieren Dutzende Antworten, die unterschiedlicher nicht sein können. Und zu dieser schier endlos langen Liste an möglichen Erklärungen gesellt sich nun auch jene der Volksbühne Aschau. Es ist ein gelungenes Theaterstück mit ungewohnt harten, schonungslosen Aussagen.

In ihrem selbst verfassten Werk liefert Martina Keiler erbarmungslose Antworten, die insgesamt 20 Laien-Schauspieler in einem zweistündigen Theaterstück umsetzen - und zwar in einem eigens dafür gestalteten Volks-Schau-Spiel-Haus im Turnsaal der Volksschule. Untermalt werden die beiden Akte von selbstkomponierten Stücken des Schauspielers Paul Haberl.

Der Zillertaler ist gespalten: Zum einen ist er sehr geschäftstüchtig und verbissen auf Fortschritt bedacht, zum anderen schlummert in ihm eine starke Sehnsucht nach den alten, ruhigen Zeiten, die weit entfernt von jeglicher Getriebenheit waren. Es ist der Zwiespalt zwischen Wohlstand und Erhalt von Werten und Traditionen, der am Zillertaler nagt.

Eine Familiengeschichte wird erzählt. Es ist eine Familiengeschichte, wie sie im Zillertal häufig vorkommt, ja wohl alltäglich ist. Ein kleiner Bauernbetrieb wird mühselig über die Jahre zu einer wuchtigen Hotelanlage ausgebaut. Fast alle Familienangehörigen leiden unter der Last, für die Gäste stets gute Miene zum bösen Spiel machen zu müssen, oder ertragen es nicht, sich für den Erfolg verbiegen zu müssen. Burn-out, Alkoholexzesse und Selbstmordgedanken sind ihr einziger Ausweg.

Doch nicht nur in der Gegenwart unterwirft man sich den Wünschen der Fremden, sondern auch bereits historisch bekannte Figuren aus dem Zillertal blieben sich selbst für den Erfolg nicht mehr treu. So etwa die Nationalsänger, die "Stille Nacht" in die Welt getragen haben, oder der Hofnarr Peter Prosch, der um die Gunst der Adeligen buhlte. Auch diese Persönlichkeiten werden im Stück verkörpert. Sie beobachten und kommentieren das furchtbare Treiben der gegenwärtigen Familie.

"Es ist ein sehr kritisches Werk, das die Zuseher zum Nachdenken anregen soll", erklärt Keiler. Ein Vorhaben, das ihr gelungen ist. Mit vielen harten Aussagen, die direkt in die Magengrube gehen und die den einen oder anderen Zuseher aus seinem Dornröschenschlaf aufwecken: "Wir haben das Maß schon längst verloren, das ist nicht mehr mein Tal" oder "Ihr macht’s alles kaputt, was die Alten aufgebaut haben" oder "Kann man es schaffen, zu den Besseren zu gehören, ohne seine Seele zu verkaufen?"

Jeder Zillertaler - oder auch Tiroler von einem anderen Tourismus-Tal - findet sich in irgendeiner Szene wieder und erstarrt regelrecht ob seiner Wirklichkeit und Brutalität. Das Stück ist bis zum 15. August zu sehen. Termine unter: www.derzillertaler.tirol

Jasmin Steiner, Kronen Zeitung

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