So, 19. August 2018

Laut UNICEF:

28.10.2014 12:48

Kinderarmut in "reichen" Staaten immer akuter

Auch die "reichen" Industriestaaten haben durch die seit Jahren anhaltende Wirtschaftskrise mit einer zunehmenden Kinderarmut zu kämpfen. Wie ein neuer Bericht des UNO-Kinderhilfswerks zeigt, sind in den betroffenen Ländern seit 2008 2,6 Millionen Kinder unter die Armutsgrenze gefallen. Die Gesamtzahl der Kinder, die in der entwickelten Welt in Armut leben, beträgt laut UNICEF nun geschätzte 76,5 Millionen.

Der am Dienstag veröffentlichte UNICEF-Bericht reiht 41 Länder der OECD und der EU nach der Entwicklung der Kinderarmut seit 2008. In mehr als der Hälfte der Staaten hat sie seit Beginn der Krise zugenommen, in Irland, Kroatien, Lettland, Griechenland und Island stieg die Rate um mehr als die Hälfte. Das krisengeschüttelte Griechenland hält mittlerweile überhaupt bei 40,5 Prozent. Österreich liegt mit einem leichten Rückgang - von 14,9 auf 14,2 Prozent - am unteren Ende jener 18 Staaten, die sich seit 2008 verbessern konnten, insgesamt aber im oberen Viertel des Rankings. Australien, Chile, Finnland, Norwegen, Polen und die Slowakei konnten ihre Kinderarmutsrate um rund 30 Prozent reduzieren.

Kürzung der Sozialausgaben und hohe Arbeitslosenraten
Die Sparmaßnahmen in verschiedenen Ländern hätten dazu geführt, dass weniger Sozialausgaben an Familien gingen, schreibt UNICEF. Im Zusammenwirken mit Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung führte das dazu, dass das mittlere Einkommen von Haushalten mit Kindern in fast der Hälfte der Industrieländer geschrumpft ist. In Griechenland fiel der Median der Haushaltseinkommen von Familien im Jahr 2012 auf den Stand von 1998 - das entspricht einem Verlust von 14 Jahren Einkommensanstieg.

Irland, Luxemburg und Spanien verloren laut UNICEF ein Jahrzehnt, Island verlor neun Jahre, Italien, Ungarn und Portugal verloren acht. "Viele wohlhabende Staaten haben einen großen Rückschritt erlitten, was ihre Budgeteinnahmen betrifft, und die Auswirkungen auf Kinder werden lang anhaltende Folgen für sie und ihre Gesellschaften haben", sagte Jeffrey O'Malley, UNICEF-Verantwortlicher für "Global Policy and Strategy".

Jugendarbeitslosigkeit nimmt zu
Besonders hart trifft die Krise in den reichen Ländern junge Menschen im Alter von 15 bis 24 Jahren. In mehr als drei Viertel der Staaten hat die Arbeitslosenquote in dieser Altersklasse laut UNICEF zugenommen. Hier hält Österreich mit 7,1 Prozent auf demselben Niveau wie 2008, was aber im Vergleich als respektabel gelten kann, schafften es doch nur sechs der 41 Staaten, die Jugendarbeitslosenrate zu senken - allen voran die Türkei, wo aber auch nach einer Reduktion um 11,5 Prozentpunkte noch immer jeder vierte Jugendliche ohne Arbeit ist.

"Die UNICEF-Forschung zeigt, dass starke Sozialschutzsysteme ein entscheidender Faktor für die Vermeidung von Armut waren", meint O'Malley. "Alle Länder brauchen starke soziale Sicherheitsnetze zum Schutz der Kinder in schlechten Zeiten - und die wohlhabenden Länder sollten mit gutem Beispiel vorangehen, sich explizit der Beseitigung von Kinderarmut verpflichten, Strategien entwickeln, um Wirtschaftsabschwünge zu kompensieren, und das Wohlergehen der Kinder zu ihrer obersten Priorität erklären."

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