Das gab es noch nie! Johannes Hösflot Kläbo hat mit seiner neunten Goldmedaille bei Olympischen Winterspielen Sportgeschichte geschrieben.
Der Norweger gewann in Tesero mit seinen Teamkollegen die Staffel und holte sein insgesamt neuntes Gold. Durch den vierten Sieg im vierten Rennen in Italien übertraf der 29-Jährige seine Landsleute Marit Björgen, Ole Einar Björndalen und Björn Dählie, die jeweils acht Olympiasiege gesammelt haben. In den nächsten Tagen hat Kläbo im Val di Fiemme zwei weitere Chancen.
Den Triumph in der Staffel vollendete Kläbo nach Vorarbeit von Emil Iversen, Martin Löwström Nyenget und Einar Hedegart als Schlussläufer. Der Topstar aus Trondheim übernahm mit 12,2 Sekunden Vorsprung und brachte diesen sicher nach Hause. Auf der Zielgeraden durfte er bereits jubeln. Die Norweger setzten sich nach 4 x 7,5 km 22,2 Sekunden vor Frankreich durch und holten sich den 2022 an Russland verlorenen Titel wieder zurück. Den Kampf um Bronze gewann Italien (+47,9 Sek.) dank Schlussläufer Federico Pellegrino gegen Finnland (+57,1).
„Es ist immer cool, die Staffel zu gewinnen. Als Norweger ist das etwas, das man tun sollte“, erklärte Kläbo, der vor den Augen von Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Störe und Kronprinz Haakon bereits auf der Zielgeraden jubeln durfte. Er hätte versucht, die Momente zu genießen. „Das geschafft zu haben und die Neunte mit dem Team zu gewinnen, ist sehr speziell. Ich kann mir keine bessere Art vorstellen. Es war perfekt.“ Das ganze Team habe großartig abgeliefert.
Weitere Chancen im Teamsprint und 50er
Kläbo hatte in Tesero auch schon den Skiathlon, den Klassik-Sprint und das 10-km-Skating-Rennen für sich entschieden. Im Vorjahr bei der WM in Trondheim heimste er sechs Titel ein, das kann er in den kommenden Tagen auch bei diesen Spielen noch schaffen. Am Mittwoch wartet der Teamsprint und am Samstag der 50-km-Klassik-Marathon.
Seine Vorgänger als erfolgreichste Goldhamster bei Winterspielen gratulierten artig. „Es ist beeindruckend“, sagte Dählie im norwegischen Fernsehen. „Es ist ein bisschen bittersüß für mich, dass ich meinen eigenen Titel ändern muss, aber es ist beeindruckend zu sehen, was du in so kurzer Zeit erreicht hast“, ergänzte Björndalen. Der ehemalige Biathlet traut dem Ausnahme-Langläufer zu, seine Bilanz auch in vier Jahren in Frankreich noch aufzufetten. „Du bist noch jung und kannst dich gut vorbereiten.“
Kläbo „in jeder Hinsicht besser“
Das Phänomen Kläbo ringt auch dem Wahlnorweger Mika Vermeulen Respekt ab. „Es gibt nicht ein Ding. Es macht alles aus. Er hat Gene, die wir alle gerne hätten“, betonte Österreichs bester Langläufer der vergangenen Jahre . „Er hat ein Mindset, das wir alle gerne hätten. Er lebt einen Lifestyle, den wir alle nicht gerne leben würden. Er hat das beste Material. Da gibt es nicht ein Attribut, das Kläbo ausmacht. Er ist in jeder Hinsicht besser als wir.“ Das Mindset von Kläbo sei einfach erklärt: „Er hat nur eines im Kopf, und das ist gewinnen. Und das tut er en masse.“
Mehr als 100 Weltcupsiege hat Kläbo bereits eingefahren, dazu je fünfmal die Tour de Ski und den Gesamtweltcup gewonnen. Dieser Tage gab er an, dass er nach dem gemeisterten Druck der Heim-WM zwar mit gleicher Akribie und Härte trainiert habe, Olympia aber gelöster angehen könne. „So ist es gesünder als letztes Jahr. Ich versuche jetzt einfach, die Momente zu genießen, gehe raus und genieße es richtig – es ist fantastisch“, sagte Kläbo. Der Druck, jedes Mal Gold holen zu müssen, sei aber schon eine Bürde. „Nicht alles davon ist einfach. Ich setze mich selbst auch sehr unter Druck, und das gehört dazu.“
Bisher meisterte Kläbo seine dritten Winterspiele mit Bravour. Triumphiert er auch noch in den zwei ausstehenden Rennen, würde er mit sechs Titeln bei einer Olympia-Auflage für einen weiteren Rekord sorgen. Denn es gibt mit US-Eisschnellläufer Eric Heiden bisher erst einen Athleten, der – 1980 in Lake Placid – fünf Goldene bei ein und denselben Winterspielen geschafft hat.
Langlauf – 4 x 7,5 km Staffel Männer (in Tesero):
1. Norwegen (Emil Iversen, Martin Löwström Nyenget, Einar Hedegart, Johannes Hösflot Kläbo) 1:04:24,5 Std.
2. Frankreich (Theo Schely, Hugo Lapalus, Mathis Desloges, Victor Lovera) +22,2 Sek.
3. Italien (Davide Graz, Elia Barp, Martino Carollo, Federico Pellegrino) +47,9
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