Oliver Glasner gilt als heißer Trainerkandidat für Manchester United. Doch soll er sich das Chaos überhaupt antun? Vorgänger schimpfen noch viele Jahre später.
Wird er oder wird er nicht? Soll er überhaupt? Seit Ruben Amorim am 5. Jänner als Trainer von Manchester United entlassen wurde, taucht im Dampf des Gerüchtekessels um seine Nachfolge ab Sommer neben Gareth Southgate und Xavi stets der Name Oliver Glasner auf. Der Österreicher hat sich mit angesichts der Möglichkeiten von Crystal Palace erstaunlichen Erfolgen in der Premier League einen höchst positiven Ruf erarbeitet. Die Buchmacher führen den 51-Jährigen als Topkandidaten.
Interesse von Manchester United ist für einen österreichischen Trainer ein Ritterschlag. Eine Chance wie diese bietet sich Glasner, der mit Frankfurt einst die Europa League gewann, vielleicht nie wieder. Doch ist die Bank von Old Trafford momentan vielleicht die unangenehmste für einen Coach. Denn Manchester United, unter Sir Alex Ferguson jahrzehntelang einer der erfolgreichsten Vereine der Welt, ist aktuell ein fußballerischer Trümmerhaufen und ein Intrigenhof, an dem selbst große Trainer verzweifeln.
Jose Mourinho, der 2017/18 mit 81 Punkten Vizemeister wurde, wetterte noch Jahre nach seiner Amtszeit bei United über die Führungsriege: „Es gibt immer noch Leute in diesem Verein, von denen ich schon nach zwei Monaten sagte: Mit denen werdet ihr es nie schaffen!“
Kritik an Transfers
Auch Ralf Rangnick äußerte sich noch im Vorjahr skeptisch über die Möglichkeiten, die einem Coach bei seinem Ex-Klub gegeben würden. „Wäre ich dort der Besitzer oder Sportdirektor, würde ich mehr in junge Spieler investieren“, kritisierte er die hohen Summen, die man gerne in ältere Spieler investiert. „Macht es Sinn, 30 bis 50 Millionen für einen Spieler Ende 20, Anfang 30 auszugeben?“
Und tatsächlich hat seit Ende der Ferguson-Ära 2013 kein Verein einen größeren Negativsaldo aus Transfer-Einnahmen bzw. -Ausgaben. United gab über 1,62 Milliarden Euro mehr für Spieler aus, als man einnahm. Altstars wie Varane oder Casemiro wurden dort deutlich schlechter, andere wie Antony oder Martial floppten.
Und geht man nach den verärgerten Angriffen Amorims gegen die Klubspitze, die seine Entlassung nach sich zogen, hat sich nichts geändert. „Ich kam hierher, um Manager zu sein, nicht nur Coach“, kritisierte er, dass seine Transferwünsche offenbar nicht gehört wurden. United zahlt(e) für die Trainerentlassungen seit der Fergie-Ära übrigens insgesamt 63 (!) Millionen Euro.
Ob ein solches Schlangennest nach Glasners Wunsch ist? Auch dieser hatte sich gegenüber Crystal Palace’ Führungsetage ja nie ein Blatt vor den Mund genommen. Ein ruhiges Umfeld, in dem der Salzburger bisher stets reüssierte, würde er in Manchester definitiv nicht vorfinden.
Legende coacht Söhne
Interimistisch übernahm vorerst Darren Fletcher, der bei seinem Debüt gestern nur 2:2 bei Burnley spielte. Kurios: Der langjährige „Sechser“ der „Red Devils“ coacht somit auch seine beiden Söhne Jack und Tyler, die seit Saisonbeginn bei den Profis dabei sind. Während sich eine weitere United-Legende selbst in Spiel brachte. Ex-Trainer Ole Gunnar Solskjaer könnte schon morgen einen Vertrag bis Saisonende unterzeichnen …
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