Russischer Pass?

Selenskyj bürgert Stadtchef von Odessa aus

Außenpolitik
14.10.2025 17:53
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Bürgermeister der Hafenstadt Odessa ausgebürgert. Hennadij Truchanow wird vorgeworfen, die russische Staatsbürgerschaft zu haben. Nun könnte ihm sogar eine Abschiebung drohen.

„Ich habe nie einen russischen Pass besessen“, sagte Truchanow nach Bekanntwerden des Entzugs der ukrainischen Staatsbürgerschaft. Er will nun dagegen klagen und verwies dabei auf eine geheimdienstliche Überprüfung seiner Person im Jahr 2022. Mit dem Verlust der Staatsangehörigkeit ist das gewählte Stadtoberhaupt, das seit 2014 Bürgermeister von Odessa ist, praktisch auch seines Amtes enthoben. Selenskyj leitete das Schaffen einer Militärverwaltung ein. Truchanow könnte jetzt sogar die Abschiebung aus der Ukraine drohen.

Selenskyj teilte nach einer Sitzung mit Geheimdienstchef Wassyl Maljuk mit, dass mehrere Personen eine russische Staatsbürgerschaft hätten und entsprechende Entscheidungen vorbereitet würden. Namen nannte er nicht.

Klitschko: Selenskyj „autoritär“
Einige ukrainische Politikerinnen und Politiker werfen Selenskyj schon länger autoritäre Tendenzen vor, darunter Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko. Zwischen Klitschko und dem von Selenskyj eingesetzten Militärverwalter Tymur Tkatschenko ist es in den vergangenen Tagen zu öffentlich ausgetragenen Auseinandersetzungen gekommen.

Dass Andersdenkenden die Staatsbürgerschaft entzogen wird, wird in der Ukraine bereits seit sowjetischen Zeiten praktiziert. Unter Selenskyj und seinem Vorgänger Poroschenko ist dieses Vorgehen wieder üblich geworden. Im Juli hatte Selenskyj den Vorsteher der ehemals mit Moskau verbundenen ukrainisch-orthodoxen Kirche, Onufrij, ausgebürgert.

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