Falscher Optimismus?

Pensionsalter in Österreich steigt viel zu langsam

Österreich
25.10.2013 11:21
Die Österreicher werden auch noch im Jahr 2060 lange vor dem gesetzlichen Pensionsantrittsalter in den Ruhestand treten. Dies geht aus einem der APA und dem ORF-Radio vorliegenden Gutachten der Pensionskommission hervor. Das Expertengremium zeigt damit auf, dass die bisherige Regierung mit ihrer Schätzung wohl zu optimistisch war.

Das Pensionsantrittsalter wird bis 2060 um nur zweieinhalb Jahre ansteigen - deutlich langsamer als von der Politik angenommen. Von derzeit 58 Jahren bei Männern dürfte es bis 2060 demnach auf rund 61 Jahre steigen. Die Regierung ging bisher davon aus, dass das Antrittsalter schon bis 2025 bei 60 Jahren liegt. Erreicht werden soll dies unter anderem durch die Angleichung des Frauen-Pensionsantrittsalters und Verschärfungen bei der Invaliditäts- und Hacklerpension.

Laut Berechnung liegt das durchschnittliche Pensionsantrittsalter bei Männern derzeit bei 57,8 Jahren, es steigt bis 2029/30 stark an und stabilisiert sich laut Gutachten dann bei rund 61 Jahren. Bei Frauen ist der Verlauf ähnlich: Das Pensionsantrittsalter liegt derzeit bei etwa 55 Jahren, es steigt bis 2029/30 auf 59 Jahre und stabilisiert sich später bei rund 60 Jahren.

Gesamteinnahmen steigen, Auszahlungen aber noch mehr
Der leichte Anstieg im Antrittsalter und die leichte Zunahme der Erwerbspersonen soll auch dazu führen, dass die Zahl der Versicherten pro Jahr um rund 0,1 Prozent ansteigt. Zusammen mit dem Anstieg der durchschnittlichen Beitragsgrundlagen um 1,6 Prozent pro Jahr ergibt dies einen Anstieg der Gesamteinnahmen um rund 1,7 Prozent pro Jahr. Gemessen am BIP steigt der Anteil der Gesamteinnahmen somit von derzeit 8,8 Prozent des BIP auf 9,1 Prozent des BIP im Jahr 2060.

Weitaus stärker als die Zahl der Versicherten steigt laut Gutachten jedoch die Zahl der ausbezahlten Pensionsleistungen, nämlich um rund ein Prozent pro Jahr im gesamten Zeitraum 2013 bis 2060. Das bedeutet einen Anstieg von derzeit 2,3 Millionen Leistungen auf 3,6 Millionen im Jahr 2060. Zurückzuführen ist dies vor allem auf die demografische Verschiebung. Weiters bleibt aber auch das angenommene Antrittsalter deutlich hinter der höheren Lebenserwartung zurück.

Bis 2016 Loch von fünf Milliarden Euro?
Auch andere Pensionsexperten meinten diese Woche, dass die Rechnung von Rot-Schwarz nicht aufgehen wird: Schon bis 2016 könnte es ein Loch von fünf Milliarden Euro im Budget für die Pensionen geben. Das halten auch die zwei führenden Wirtschaftsforscher, die Chefs von Wifo und IHS, Karl Aiginger und Christian Keuschnigg, für realistisch, wie das "Ö1"-Morgenjournal am Freitag berichtete.

IHS-Direktor Keuschnigg spricht sich für ein betragsorientiertes Pensionssystem aus. Das bestehende Umlageverfahren verteile "unsystematisch und intransparent" um. Das Pensionssystem sei "ungeeignet für Umverteilung", diese müsse bereits über Steuer- und Transferleistungen in der Haupterwerbsphase geschehen. "Es werden Pensionsversprechen gegeben, die mit den derzeitigen Beiträgen nicht ausfinanziert sind", so Keuschnigg. Er sei nicht dafür, "Umverteilungsabsichten auszuhebeln", aber Leistung und Gegenleistung müssten stärker gekoppelt werden.

Wifo-Chef Aiginger drängt auf eine Anhebung des tatsächlichen Pensionsantrittsalters. Es sei zwar schon einiges geschehen, man müsse aber noch zusätzliche Möglichkeiten schaffen, damit die Menschen länger im Job bleiben und altersgerechte Arbeitsplätze zur Verfügung haben.

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