"Krone"-Interview

Hirscher: “Das mit dem Starsein ist nicht meins”

Sport
08.08.2013 17:37
Warum die Mama nicht schimpfen muss, weshalb er seinen Kontostand genau kennt und warum er nicht mit Medaillen bei Olympia spekulieren will: Das alles und noch mehr hat unser zweifacher Weltcupsieger und Slalom-Weltmeister Marcel Hirscher, der als Mensch immer noch absolut am Boden geblieben ist, im "Krone"-Interview mit Peter Frauneder verraten.

Das Winterstellgut ein paar Höhenmeter über der Salzburger Ortschaft Annaberg: Marcel Hirscher genießt hier ein wenig Ruhe, bevor nächste Woche mit dem Abflug ins Trainingslager nach Chile seine Vorbereitung auf die Olympia-Saison so richtig beginnt. Was selbst hier schwer ist, weil ihn sogar Urlauber aus Aachen in Westdeutschland, wo Skifahren alles andere als Nationalsport ist, sofort erkennen.

"Krone": Marcel, dich erkennen hier heroben zwar sogar die deutschen Urlauber, aber wenn man dich mit den Einheimischen plaudern hört, würde man nie auf die Idee kommen, dass du eine Berühmtheit, ein Star bist.
Marcel Hirscher: Das mit dem Starsein ist sowieso nicht meins. Und genau deshalb genieße ich die Zeit in der Heimat immer so. Hier bin ich ganz einfach nur der Marcel. Da zählt nicht, was ich gewonnen habe oder wie bekannt ich bin. Man geht miteinander um wie früher auch. Wobei: Es gibt schon welche, die jetzt plötzlich viel netter sind – aber die kennt man auch.

"Krone": Du warst eben mit deinen Eltern Mittagessen – wann musste die Mama eigentlich zum letzten Mal mit ihrem Sohn richtig schimpfen?
Hirscher: Solange ich keinen richtig großen Blödsinn mache, ist das Verhältnis recht locker.

"Krone": Und der Papa, der dich auch fast immer als Trainer begleitet? Wenn man so viel zusammen ist, müssen doch dann und wann ordentlich die Fetzen fliegen...
Hirscher: Logisch, dass es dann und wann Missverständnisse und Meinungsverschiedenheiten gibt. Aber Streiten ist für mich etwas anderes. Bei uns sind das Dinge, über die man diskutiert und die dann auch bald wieder aus der Welt geschafft sind. Und dass einer auf den anderen echt böse gewesen wäre, hat es sowieso noch nie gegeben.

"Krone": Wie bedankt man sich eigentlich bei den Eltern für die Unterstützung, wenn man so erfolgreich ist wie du? Und mit welchem Luxus hast du dich selbst belohnt?
Hirscher: Natürlich bedankt man sich. Aber das sind Dinge, die meiner Meinung nach nichts in der Öffentlichkeit verloren haben. Und ich selbst hab' mir eigentlich gar nichts Großes, gar nichts so richtig Sinnloses gekauft.

"Krone": Kennst du eigentlich deinen Kontostand? Oder verliert man da schon einmal den Überblick?
Hirscher: Klar kenne ich den. Darüber Bescheid zu wissen werde ich auch nie aus der Hand geben. Das ist zwar nicht das Wichtigste auf der Welt, aber es ist doch so wichtig, dass ich mich selbst darum kümmern will.

"Krone": Eine Saison wie deine letzte wird sich jedenfalls auch diesbezüglich höchst positiv auswirken.
Hirscher: Auch logisch. Aber das war eine, die sehr, sehr schwer zu toppen ist. Und ich glaube ehrlich, dass es schwer ist, noch besser zu werden. Es wäre jedenfalls einfach nur schwachsinnig, automatisch von einer weiteren Steigerung auszugehen.

"Krone": Obwohl nächste Saison mit den Olympischen Winterspielen in Sotschi ein absoluter Höhepunkt wartet.
Hirscher: Keine Frage. Ich selbst bin bei meinen ersten Spielen zwar zweimal nur ganz knapp an einer Medaille vorbeigefahren, aber weil das ganze Herrenteam in Vancouver keine einzige geholt hat, war der Teufel los. Es war ja sportlich betrachtet auch traurig, aber es hat uns auch einmal mehr eines vor Augen geführt: dass nichts fix ist. Man wird deshalb von mir niemals hören, dass ich unbedingt eine Olympia-Medaille holen will. Ich weiß ja nicht einmal noch, ob ich die Quali schaffe und überhaupt mitfliegen darf.

"Krone": Nächste Woche fliegst du jedenfalls mit dem Abfahrtsteam nach Chile: Wird der Marcel Hirscher jetzt auch noch ein Downhiller?
Hirscher: Speedfahrer bin ich nach wie vor keiner. Und man kann auch so gut wie sicher ausschließen, dass man den Hirscher nächste Saison in einem Abfahrtsrennen sieht. Aber grundsätzlich üben Speedrennen auf mich immer einen Reiz aus. Wie etwa letzte Saison der Super-G in Beaver Creek. Beim ersten Mal gackst du dich an, aber wenn wer gesagt hätte, ich darf nochmals fahren, hätte ich nicht eine Hundertstelsekunde gezögert. So gesehen hoffe ich, dass Chile mir einiges bringen wird. Oder besser: Eigentlich glaube ich ganz fest daran.

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