24.07.2013 11:55 |

Mutiges Video

Elfjährige aus dem Jemen: Lieber Tod als Zwangsheirat

Nada al-Ahdal aus dem Jemen ist elf Jahre alt - und ginge es nach dem Willen ihrer Eltern, dann wäre sie schon verheiratet. Doch sie ist geflüchtet vor diesem Leben, berichtet das Mädchen in einem Internetvideo (oben klicken; englische Untertitel). Sie "würde lieber sterben" als einen älteren, ihr unbekannten Mann zu heiraten, so Nada. Das sei für Mädchen und Frauen nicht ungewöhnlich: Viele wählten lieber den Selbstmord als das ihnen aufgezwungene Leben, klagt die Elfjährige an.

Ihre Eltern hätten sie mit dem Tod bedroht, willige sie nicht in die Heirat an, berichtet Nada al-Ahdal im Video. "Welche Menschen bedrohen ihre Kinder auf diese Art?" Doch damit habe sie sich nicht abgefunden: "Macht nur weiter und verheiratet mich. Dann bringe ich mich um - einfach so", erklärt die Elfjährige.

Doch so weit kam es zum Glück nicht - sie sei zu einem Onkel geflüchtet, berichtet das Mädchen. Bei ihren Eltern wolle sie nicht mehr leben. "Meine Mutter, meine Familie, sie alle können mir glauben, wenn ich sage: Ich bin fertig mit euch. Ihr habt meine Träume zerstört."

Zwangsheirat schon vor einem Jahr geplant
Das Video wurde von der Organisation Memri, die islamische Medien im Nahen Osten beobachtet, online gestellt und auf Englisch übersetzt. Nadas Geschichte wurde überdies vom libanesischen Infoportal "NOW" aufgegriffen. Im Bericht heißt es, Nada sei von ihrem dritten Lebensjahr an von ihrem Onkel großgezogen worden. Sie sei zur Schule gegangen, habe in Musicals mitgespielt und Englisch gelernt. Doch ihre Eltern hatten offenbar eigene Pläne für das Mädchen: Sie sollte schon vor einem Jahr an einen reichen Jemeniten in Saudi-Arabien verscherbelt werden.

Elfjährige in Falle gelockt
Das habe Nadas Onkel aber gerade noch verhindern können, indem er das Mädchen vor dem potenziellen Bräutigam schlecht habe dastehen lassen. Doch es habe einen zweiten Anwärter gegeben, heißt es - diesmal hätten Nadas Eltern die Pläne vor dem Onkel geheim gehalten. Sie sollen das Mädchen zum Ramadan zu sich gelockt haben, doch sie sei bei Auffliegen der Hochzeitspläne zurück zu ihrem Verwandten geflüchtet sein, heißt es.

"Das ist nicht normal für unschuldige Kinder"
Die Taten ihrer Eltern lassen die Elfjährige offensichtlich ratlos zurück: "Ich hätte kein Leben, keine Ausbildung", klagt Nada im Video an. "Haben sie denn kein Mitgefühl?" Sie selbst habe Glück gehabt, doch "das kann jedem Kind passieren". Ihre Tante etwa sei mit 14 verheiratet worden. Der Ehemann habe getrunken und seine Frau mit Metallketten verprügelt - nach einem Jahr habe diese es nicht mehr ausgehalten, sich mit Benzin übergossen und angezündet. Sie sei gestorben. Andere Kinder würden sich im Meer ertränken. "Das ist nicht normal für unschuldige Kinder", so Nada.

Kinderheirat im Jemen weit verbreitet
Nadas Vorwürfe werden von Zahlen der Kinderhilfsorganisation UNICEF gestützt, nach denen Kinderheirat im Jemen weit verbreitet ist: Im Land sind etwa elf Prozent der unter 15-Jährigen und knapp ein Drittel der unter 18-Jährigen verheiratet. Dass Kinder gegen ihren Willen zur Ehe gezwungen werden, sei nicht ungewöhnlich.

"Das ist kriminell, einfach kriminell"
Nada ist laut eigener Aussage davon überzeugt, diesem Schicksal nun endgültig entkommen zu sein - sie möchte bei ihrem Onkel bleiben. Sie habe Anzeige gegen ihre Mutter erstattet, erzählt die Elfjährige außerdem. "Ich habe ihnen (der Polizei; Anm.) gesagt, dass ich elf Jahre alt bin und sie mich verheiraten will." Das sei keine Erziehung, so Nada im Video - "das ist kriminell, einfach kriminell".

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