07.06.2013 14:50 |

"Babys zu schwach"

Zahlreiche junge Wildtiere in Fluten hilflos ertrunken

Die Fluten der vergangenen Tage stellen auch für Wildtiere eine massive Bedrohung dar. "Bisher haben wir 156 Tierrettungen dokumentiert", so Franz Resperger, Sprecher des Landesfeuerwehrkommandos Niederösterreich. Dutzende Rehe konnten sich auf einem sogenannten Rettungshügel bei Tulln in Sicherheit bringen (großes Bild). Viele haben es jedoch nicht auf eine solche Insel geschafft. Vor allem zahlreiche Tierbabys wurden von den Wassermassen mitgerissen.

"Das Jungwild fällt heuer wahrscheinlich aus", erklärte der Heger Peter Lebersorger vom blau-gelben Landesjagdverband. Die Rehe haben erst vor Kurzem ihre Kitze gesetzt. Darum sei alles noch viel schlimmer als beim Jahrtausendhochwasser 2002 - denn da waren die Tiere schon einige Wochen und Monate alt und somit überlebensfähiger. "Die Babys sind zu schwach, um sich in der Au auf Überlebensinseln wie bei Tulln zu flüchten", so der Wildbiologe Jürgen Auer.

Dutzende Tiere sitzen auf Rettungshügel fest
Die Rehe bei Tulln wurden bereits am Mittwoch bei einem "Erkundungsflug mit dem Polizeihubschrauber, bei dem auch Stabsmitglieder der Feuerwehr an Bord waren", entdeckt, erklärte Resperger. Die Tiere hatten sich auf einen für solche Zwecke extra aufgeschütteten Rettungshügel, wie es sie überall entlang der Donauauen gibt, gerettet. Auch am Freitag befand sich das Rotwild noch auf der kleinen Insel, das Wasser rundherum war am Sinken. "Wir gehen davon aus, dass die Rehe garantiert überleben werden", war Resperger überzeugt.

"Jungtiere sind besonders gefährdet"
"Vor allem Jungtiere, die nicht so mobil sind, wie beispielsweise auch Rehkitze, sind besonders gefährdet", erklärte Klaus Hackländer vom Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der Boku. Dazu kommen auch kleinere Nagetiere oder bodenbrütende Vögel. Arten wie beispielsweise der Biber würden gut mit dem Hochwasser zurechtkommen, "nicht allerdings die Jungtiere in den Bauten - werden die geflutet, ertrinken sie".

"Im Prinzip können alle Wildtiere schwimmen, die Frage ist nur, wie lange? Sie sind nun mal nicht dafür ausgerüstet", sagte der Experte. Hasen können sich beispielsweise "eine Weile über Wasser halten, aber irgendwann saugt sich das Fell voll, sie entkräften und ertrinken".

Nicht genügend Ausweichmöglichkeiten
Als Ausweichmöglichkeiten bei Hochwasser wurden eben deshalb kleine Inseln innerhalb der Auen aufgeschüttet, allerdings "nicht genügend", sagte der Biologe: Denn wenn Auen bewohnende Tiere keine Ausweichmöglichkeiten haben, gibt es einen großen Verlust, wenn das Hochwasser kommt.

Die Tiere würden auch auf Dammkronen ausweichen, sich prinzipiell auf erhöhte Punkte zurückziehen. Daher ist es wichtig, dass ihnen "von den Menschen die Ruhe gegeben wird, die sie brauchen". Wildtiere dürfen nicht gestört werden, man müsse ihnen "Rückzugsmöglichkeiten bieten". Ansonsten "weichen sie zurück ins Wasser und ertrinken", warnte der Forscher.

"Sozialstress" auf Inseln
Eine Schätzung, wie viele Tiere in den Fluten umgekommen sind, sei nicht möglich, allerdings gebe es definitiv "einen Rückgang der Population". Probleme sind aber auch auf den Rettungsinseln möglich: "Es erklärt sich von selbst, was passiert, wenn Fuchs und Hase auf demselben Hügel landen", sagte Hackländer. Dazu komme auch "Sozialstress": "Insbesondere Rehe sind es nicht gewohnt, mit anderen Artgenossen auf einer kleinen Fläche zu sein."

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