Gioacchino Rossinis „La Cenerentola“ wird an der Grazer Oper von Regisseurin Ilaria Lanzino und einem spielfreudigen Ensemble ordentlich gegen den Strich gebürstet. Im Graben lässt Marius Burkert die Musiker glänzen, ein bisschen mehr Tempo hätte aber nicht geschadet.
Mit „La Cenerentola“ hat Rossini eine seiner besten Opern in einem Rekordtempo von weniger als einem Monat geschrieben. Basierend auf der „Aschenputtel“-Geschichte zeichnete er darin bereits 1817 eine durchaus selbstbewusste Frau, die von ihrem Zukünftigen Respekt und nicht Romantik verlangt.
Märchen in einem neuen, grellen Kleid
Für Regisseurin Ilaria Lanzino eine Steilvorlage, um das Märchen mit den gerade so aktuellen Forderungen nach mehr Diversität und Genderfluidität aufzuladen. In der knallbunten Märchenwelt (Dorota Karolczak hat sich bei der Ausstattung nicht gerade zurückgehalten) trifft hier also ein trotziges Rockermädchen auf ihren Traumprinzen im Kleid.
Dass die Gesellschaft – sie besteht vorwiegend aus Disney-Prinzessinnen und potenten Märchenprinzen im Wolfsfell – damit nicht zurechtkommt, wundert nicht. Und das märchenhafte Happy End ist ganz sicher nicht von Dauer.
Ein Zuviel des Guten
Optisch ist diese knallbunte Märchenwelt die ersten zehn Minuten sehr unterhaltsam, schnell stellt sich aber ein Sättigungsgefühl ein. Vor allem, weil durchaus spannende Themen wie jugendliche Revolution, Außenseitertum und gesellschaftliche Ächtung in diesem grellen Ambiente verloren gehen.
Rossinis halsbrecherische Tempi kann Dirigent Marius Burkert nicht erfüllen, aber mit den Grazer Philharmonikern zeichnet er ein musikalisches Bild in zarteren, schöneren Farben. Anna Brull ist eine berührende, trotzige und ausdrucksstarke Titelheldin, Pablo Martínez ein Belcanto-versierter Prinz Don Ramiro mit klarer, starker Stimme. Und Ivan Oreščanin, der als Frosch zum Diener mutiert, ein darstellerisch und sängerisch überzeugender Dandini.
Spielfreudige Sänger überzeugen
Wunderbar überdreht werden die beiden Stiefschwestern von Sofia Vinnik und Ekaterina Solunya gespielt und gesungen, und bei Wilfried Zelinka liegt auch der nicht gerade gewinnende Stiefvater in guten Händen. Dämonisch darf Daeho Kim den am Ende doch triumphierenden Alidoro gestalten.
Der Oper Graz ist mit „La Cenerentola“ ein unterhaltsames Spektakel gelungen, allerdings ist die Gefahr eines Zuckerschocks durchaus hoch.
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