Salzburgs Stadtpolitik denkt nach Jahren um: Die Heinrich-Damisch-Straße in Parsch soll noch heuer einen neuen Namen bekommen. Helene Taussig gilt als Favoritin für die Namensnachfolge.
Beschaulich geht es in der Heinrich-Damisch-Straße zu. Die Vorgärten sind gepflegt, die Mülltonnen stehen ordentlich am Gehsteigrand. In der kleinen Querstraße in Salzburg-Parsch gibt es lediglich Ein- und Mehrfamilienhäuser. Der einzige Schandfleck in der Straße: Ihr Name. Damisch war Antisemit und Nationalsozialist.
13 Straßen von Kommission ausgewählt
2021 hatte eine eigens einberufene Historikerkommission Ergebnisse präsentiert. Sie hatte Biografien von rund 60 NS-Persönlichkeiten, nach denen Namen und Plätze in der Stadt benannt waren, erforscht. Die Kommission empfahl 13 Straßen umzubenennen – darunter der Karajan-Platz, die Thorak-Straße und auch die Damisch-Straße.
Der gebürtige Wiener Damisch war Mitbegründer der Salzburger Festspiele und Journalist. Mehrfach äußerte er sich klar antisemitisch und trat schon 1932 der NSDAP bei. Der Historikerbericht landete jedoch in der Schublade. Der Gemeinderat beschloss, keine Änderungen vorzunehmen.
Breite Zustimmung in der Stadtregierung
Mit dem Antritt der neuen Stadtregierung unter Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) kam das Thema wieder auf. „Noch heuer soll ein Amtsbericht vorgelegt werden“, so der Stadtchef. Vor allem die grüne Bürgerliste und KPÖ Plus machen Druck. „Dieser Schritt ist enorm wichtig und war längst überfällig“, sagt Bürgerlisten-Klubobfrau Ingeborg Haller. Auch Stadtvize Kay-Michael Dankl (KPÖ Plus) will rasch umbenennen. „Wer ins Nazi-Terror-Regime verstrickt war, kann kein Vorbild sein.“
Auinger möchte aus der Namensänderung ein Pilotprojekt machen. Bewohner der Straße müssten informiert werden. Auf sie kämen ein großer bürokratischer Aufwand und auch Kosten zu. Die Stadt will sie unterstützen. Als Damisch-Ersatz wird übrigens Helene Taussig genannt. Die Künstlerin kam 1942 im Ghetto Izbica ums Leben und wird von Historikern favorisiert. „So erfreulich die erste Umbenennung ist, sie kann nur der Anfang sein“, sagt Haller.
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