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Rekord-Wahl | Wahl der Köpfe

Rekord-Wahl. Ein „Kopf an Kopf“-Rennen, ein Fotofinish mit steigenden Chancen für die Kanzlerpartei ÖVP, ihren ersten Platz doch noch zu verteidigen – so oder so ähnlich klangen die allerletzten Prognosen in den letzten Tagen vor den Nationalratswahlen. Doch die Wähler hielten sich nicht an die jüngsten Prognosen und sorgten so ganz und gar nicht für ein knappes, sondern für ein sehr klares Ergebnis – gespickt mit Allzeitrekorden. Die Freiheitlichen übertrafen alle bisherigen Bestwerte, selbst den 25 Jahre alten Jörg-Haider-Rekord mit damals 26,9 Prozent: Sie katapultierten sich gestern mit Zugpferd Herbert Kickl erstmals bei einer Nationalratswahl ganz klar auf Platz 1. Mit einem unfreiwilligen Rekord musste auch die Volkspartei aufwarten: Sie lieferte diesmal einen nie dagewesenen Absturz – im zweistelligen Prozentbereich und rasselte damit ein weit größeres Stück hinter die FPÖ als zuletzt erwartet. Für einen Negativrekord sorgte auch die SPÖ: Die Sozialdemokraten fielen mit Andreas Babler, der bis zuletzt den Kampf um Platz 1 ausgerufen hatte, auf den dritten Rang. Nach diesem Ergebnis pocht Herbert Kickl laut darauf, von den Wählern die Legitimation für seine Forderung bekommen zu haben, als Erster mit der Regierungsbildung beauftragt zu werden. Wie Bundespräsident Alexander Van der Bellen, ein großer Kickl-Skeptiker, damit umgehen wird, darüber gab seine kurze Rede gestern Abend wenig Auskunft. Unter den nun bekannten Umständen wäre es jedenfalls keine Überraschung, wenn nun rekordverdächtig mühsame und lange Regierungsverhandlungen bevorstehen…

Wahl der Köpfe. Kein „Kopf an Kopf“ – aber in den kommenden Wochen werden noch manche Köpfe rollen. Garantiert nicht der von Herbert Kickl, aber die Parteispitzen von ÖVP und mehr noch SPÖ haben sich mit ihren gestrigen Ergebnissen kaum für die nächsten Jahre einzementiert. Auch wenn sich ÖVP-Granden jetzt demonstrativ hinter „unseren Karl“ stellen, ist der Kurz-Nachfolger Nehammer angezählt. Er muss bei den Regierungsverhandlungen der Volkspartei den Kanzler retten, sonst ist er bald Geschichte. Und der rote Stern Andreas Babler? Der war schon lange vor der Wahl verglüht. Auch wenn er es selbst noch nicht wirklich zur Kenntnis nehmen mag: Dem SPÖ-Chef hatten gewichtige Parteikollegen schon zuvor selbst für ein leichtes Plus den Abgang eingeläutet. Werner Kogler, der die Grünen 2019 hatte wiederauferstehen lassen, geht geehrt für diese Leistung in die Politrente – als erster und vermutlich für ewig einziger grüner Vizekanzler, der als solcher auch die Stimmen wieder weitgehend verspielt hat. Beate Meinl-Reisinger schaffte es im Wahlkampf, manchen positiv aufzufallen – ob sie das auch in einer eventuellen 3er-Regierung kann? Bleibt Herbert Kickl: Er bescherte seiner Partei den bisher größten Sieg der Geschichte. Ob er ihr auch den Kanzler beschert? Durchaus zweifelhaft. Er wird sicher – nicht unberechtigt – davon ausgehen, dass er bei womöglich gar nicht so fernen Neuwahlen den nächsten historischen Erfolg für die Blauen holt.

Kommen sie gut durch den Montag!

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