Rapids Trainer Robert Klauß lässt die Euphorie zu, aber er lächelt die Meister-Fantasien weg. Die Denkweise der Spieler hat er schon verändert.
Schön, dass wir aktuell erfolgreich sind. Aber im August hat noch nie jemand etwas erreicht oder einen Titel gewonnen. Im April und Mai wollen wir am Peak sein, wenn es darum geht, irgendwas zu gewinnen, wie letztes Jahr im Cupfinale.“
Mit einem Lächeln versucht Rapids Trainer Robert Klauß, die kollektiven Lobeshymnen abzuwehren. Nach dem 2:0 gegen die WSG Tirol adelte sogar Gäste-Coach Philipp Semlic Grün-Weiß als „Gradmesser in der Liga“. Nach Ex-Goalie Helge Payer spricht jetzt auch Goleador Hans Krankl gleich wieder vom Meistertitel: „Träume werden manchmal wahr, wenn man Leistung bringt. So, wie Rapid spielt, ist es möglich.“ Und auch Peter Stöger, Austrias letzter Meistermacher, lobt: „Wie sie auftreten, ist schön anzuschauen. Da sind Tempo, Organisation und Kreativität drinnen.“
Noch Luft nach oben
Untermalt von der Statistik, dass erstmals seit 1987/88, der Erfolgsära von Otto Baric, sieben der ersten acht Pflichtspiele gewonnen wurden. „Da war ich drei Jahre alt“, grinst Klauß. „Statistiken haben eine Berechtigung, bringen dir aber nichts.“
Aber er versteht, dass nach den Dürrejahren in Hütteldorf Fans und Medien die Euphorie befeuern: „Das braucht man, um Freude daran zu haben. Wir können alle ein bisschen träumen. Das ist erlaubt, aber es ist früh in der Saison, andere Mannschaften werden auch noch auf ein anderes Level kommen. Wir dürfen uns nicht ausruhen.“
Das lässt der gedrängte Spielplan ohnehin nicht zu. Luft nach oben gibt es genug, etwa bei der Chancenverwertung. Bei Beljo passt zwar die Quote (drei Saisontore), aber er ließ auch schon einige Sitzer liegen. Am „Killerinstinkt“ (O-Ton Klauß) muss gefeilt werden. Und jetzt an der Frische.
„Braga ist über uns zu stellen“
Am Mittwoch geht’s via Porto nach Braga (gewann Sonntagnacht bei Boavista 1:0) zum Europa-League-Play-off – Klauß: „Das wird die größte Herausforderung, die wir bislang hatten. Bei aller Qualität von Sturm und Trabzon. Braga ist bei Liga, Kaderwert und Koeffizienten, also eigentlich bei allem, über uns zu stellen. Aber das war Trabzon auch. Wir werden uns nicht kleiner machen, als wir sind.“
Aber er muss auch dafür sorgen, dass die aktuelle Euphorie Rapid nicht größer macht, als man ist. Die Denkweise der Spieler hat Klauß schon verändert: „Wir haben jetzt ein gutes Gefühl, in den letzten Wochen ein Selbstverständnis entwickelt. Wir gehen nicht ins Spiel und haben Angst, nicht zu gewinnen. Wir gehen davon aus, dass wir gewinnen, weil wir gut, fleißig sind, eine Idee haben. Wir entscheiden, wie das Spiel läuft.“ Auch in Braga?!
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