Auf Gnadengesuch

US-Journalist hinterließ Putin pikante Botschaft

Ausland
02.08.2024 14:12
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der Gefangenenaustausch zwischen westlichen Staaten und Russland wird in die Geschichtsbücher eingehen. Vor allem die Freilassung des US-Journalisten Evan Gershkovich sorgte dabei für Aufsehen. Berichten zufolge hinterließ dieser Wladimir Putin in seinem Gnadengesuch noch eine pikante Botschaft.

„Es ist ein wunderbares Gefühl“, sagte US-Präsident Joe Biden beim Empfang seiner freigelassenen Landsleute auf dem Militärflughafen Joint Base Andrews unweit der Hauptstadt Washington. „Ich war absolut überzeugt, dass wir das schaffen können.“ Biden und Vizepräsidentin Kamala Harris umarmten den wegen Spionage verurteilten „Wall Street Journal“-Korrespondenten Evan Gershkovich und den ehemaligen US-Soldaten Paul Whelan nach dem Verlassen der Maschine.

Letzte Zeile nicht wie erwartet leer gelassen
Dem „Wall Street Journal“ zufolge ist der 32-jährige Gershkovich aber nicht einfach so aus Russland abgeflogen. Noch im Gefängnis befindlich, habe er ein offizielles Gnadengesuch an Präsident Putin ausfüllen müssen. Das Formular habe auch ein leeres Feld für eigene Bemerkungen enthalten.

Das leere Feld am Ende des Gnadengesuchs bleibt für gewöhnlich frei – diesmal jedoch nicht.
Das leere Feld am Ende des Gnadengesuchs bleibt für gewöhnlich frei – diesmal jedoch nicht.(Bild: AP/Eric Gay)
Er war als Journalist in Russland, wurde als Spion diffamiert und eingesperrt: Eine letzte Frage ...
Er war als Journalist in Russland, wurde als Spion diffamiert und eingesperrt: Eine letzte Frage an den Kreml-Chef konnte sich Gershkovich dennoch nicht verkneifen.(Bild: AP/Eric Gay)

Dieses habe Gershkovich nicht wie erwartet leer gelassen, sondern „in dem förmlichen Hochrussisch, das er sich in 16 Monaten Haft angeeignet hatte“, ausgefüllt. In der letzten Zeile habe er Putin dann einen Vorschlag gemacht: Wäre er nach Gershkovichs Freilassung bereit, sich für ein Interview zusammenzusetzen? Über eine Antwort des russischen Präsidenten ist nichts bekannt.

Journalist willkürlich festgesetzt
Der Russland-Korrespondent war im März 2023 auf einer Reportage-Reise in Jekaterinburg am Ural vom russischen Geheimdienst FSB festgenommen worden. Mitte Juli wurde er in einem umstrittenen Prozess wegen angeblicher Spionage zu 16 Jahren strenger Lagerhaft verurteilt. Das „Wall Street Journal“ wies die Anschuldigungen gegen Gershkovich zurück. Die US-Regierung forderte über Monate seine Freilassung.

Beispiellose Aktion bringt prominente Gefangene frei
Am Donnerstag hatten Russland, Weißrussland und mehrere westliche Länder in einer beispiellosen Aktion unter Beteiligung des türkischen Geheimdienstes MIT auf dem Flughafen von Ankara insgesamt 26 Gefangene ausgetauscht.

Im Gegenzug für die Freilassung politischer Gefangener und Kremlkritiker ließen Deutschland, die USA und Partnerländer einen verurteilten Mörder und unter Spionageverdacht stehende Häftlinge aus Russland gehen. Gershkovich, der ehemalige US-Soldat Paul Whelan und die US-Journalistin Alsu Kurmasheva kamen in der Nacht auf Freitag in den USA an. Zuvor waren bereits 13 Personen in Köln gelandet.

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