Gefangenenaustausch
Freigelassene nun auch sicher in den USA gelandet
Russland, Weißrussland sowie fünf NATO-Staaten – darunter die USA und Deutschland – haben am Donnerstag den größten Gefangenenaustausch seit Ende des Kalten Krieges vollzogen. Der Großteil der von Russland und Weißrussland freigelassenen deutschen und russischen Staatsbürger traf um Mitternacht wohlbehalten in Deutschland ein. Eine kleinere Gruppe von US-Bürgern flog direkt in die Heimat und traf auf Joe Biden und Kamala Harris.
Bei der beispiellosen Aktion unter Beteiligung des türkischen Geheimdienstes MIT wurden insgesamt 26 Gefangene ausgetauscht. Im Gegenzug für die Freilassung politischer Gefangener und Kremlkritiker ließen Deutschland, die USA und Partnerländer einen verurteilten Mörder und unter Spionageverdacht stehende Häftlinge aus Russland gehen.
„Wall Street Journal“-Korrespondent frei
Russland ließ unter anderem den wegen Spionage verurteilten „Wall Street Journal“-Korrespondenten Evan Gershkovich sowie prominente Oppositionelle wie Wladimir Kara-Mursa und Ilja Jaschin frei. Der Oppositionelle Jaschin sowie der Menschenrechtler Oleg Orlow werden laut US-Regierungskreisen von Deutschland aufgenommen.
„Ihr seid zu Hause, ihr seid in der Heimat“
Der russische Präsident Wladimir Putin nahm die vom Westen freigelassenen Russen persönlich in Empfang. Der Kremlchef umarmte den „Tiergartenmörder“, wo die Präsidentengarde Spalier stand. „Ihr seid zu Hause, ihr seid in der Heimat“, begrüßte Putin die Freigelassenen und kündigte an, dass sie für staatliche Auszeichnungen vorgeschlagen würden. Er begnadigte alle freigekommenen Häftlinge.
Bitterer Beigeschmack
Die Freilassung des „Tiergartenmörders“ Krassikow sorgte bei aller Freude über die Freilassung der politischen Gefangenen für einen bitteren Beigeschmack. „Niemand hat sich diese Entscheidung einfach gemacht, einen zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilten Mörder nach nur wenigen Jahren der Haft abzuschieben“, verteidigte Scholz den Austausch. Ursprünglich hätte auch der mittlerweile verstorbene Kremlkritiker Alexej Nawalny freikommen sollen.
Nach Angaben des russischen Geheimdiensts FSB kehrten acht russische Häftlinge und zwei Minderjährige nach Russland zurück.
Viele andere Politiker im In- und Ausland begrüßten den Deal. So sprach EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen von einem „Moment großer Freude“. Auch NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg zeigte sich erfreut. „Diese Errungenschaft wurde durch die enge Zusammenarbeit zwischen den NATO-Alliierten möglich.“
Biden dankte Scholz
In den USA empfingen Präsident Joe Biden und Vizepräsidentin Kamala Harris neben Gershkovich auch ihre aus der Haft freigekommenen Landsleute Paul Whelan und Alsu Kurmasheva an einem Militärflughafen nahe Washington. Biden bringe Scholz „große Dankbarkeit“ entgegen, hieß es.
Unter den deutschen Staatsbürgern, die freikamen, war der in Weißrussland zunächst zum Tode verurteilte und später begnadigte Rico K. Auch Patrick S., der nach Behördenangaben wegen Cannabis-Gummibärchen im Gepäck am Flughafen in Sankt Petersburg festgenommen worden war, wurde an Deutschland übergeben.
Biden und Harris empfingen Freigelassene in den USA
„Es ist ein wunderbares Gefühl“, sagte Biden auf dem Militärflughafen Joint Base Andrews. „Ich war absolut überzeugt, dass wir das schaffen können.“
Biden und Harris umarmten den wegen Spionage verurteilten „Wall Street Journal“-Korrespondenten Evan Gershkovich und den ehemaligen US-Soldaten Paul Whelan nach dem Verlassen der Maschine. „Das ist ein unglaublicher Tag“, sagte Harris – das könne man an den Freudentränen der Familienangehörigen sehen. Der Gefangenenaustausch sei ein „außerordentlicher Beweis dafür, wie wichtig es ist, einen Präsidenten zu haben, der die Macht der Diplomatie versteht“.

















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