Zwei Millionen Kunden, 700 Mitarbeiter und rund 100 Millionen Gewinn, den sich der neue Eigentümer erwartet: Die heimische Bawag Group krallt sich das Deutschland-Geschäft der britischen Großbank Barclays. Bawag-CEO Anas Abuzaakouk verrät im Gespräch mit der „Krone“, was hinter dem Kauf steckt und was die Bawag weiter plant.
„Der attraktive Teil der Acquise ist das Kreditkartengeschäft“, sagt Bawag-CEO Anas Abuzaakouk kurz nach der Bekanntgabe des lange vorbereiteten Banken-Deals. „Es ergänzt perfekt unsere Strategie in Österreich.“ Und die lautet: die Präsenz im DACH-Raum auszubauen. Mit der bisherigen Performance des Unternehmens sei man zufrieden und wolle klar weiter wachsen.
Vor allem regulatorische Bedingungen würden nun Arbeit und Zeit in Anspruch nehmen, alle Genehmigungen sollen bis Anfang nächsten Jahres eingeholt sein. Bis 2027 rechne man mit einem Beitrag zum Ergebnis vor Steuern von mehr als 100 Millionen Euro.
Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Barclays erhoffte sich nach früheren Informationen von dem Verkauf rund eine halbe Milliarde Euro. Laut BAWAG-Finanzvorstand Enver Sirucic gibt es nun aber keinen klaren Preis für die Übernahme. „Wir übernehmen alle Verbindlichkeiten und alle Vermögenswerte“, so Sirucic.
Seit dem Börsegang 2017 schloss die Bawag neun Zukäufe ab, mit Barclays und Knab (Februar 2024) sind zusätzlich zwei unterzeichnet. Damit sei die Einkaufstour laut CEO Abuzaakouk nun vorerst abgeschlossen. „Man glaubt immer, der Kauf ist das Schwierige – die harte Zeit beginnt aber erst danach, bei der Integration.“
Die Assets der Barclays Consumer Bank Europe betrugen laut Aussendung Ende März 2024 rund 4,7 Milliarden Euro und bestanden vor allem aus Karten- und Kreditforderungen. Die in Hamburg ansässige Sparte der britischen Großbank ist seit 1991 in Deutschland aktiv.
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