Kein anderer Begriff hat in Österreichs Politik in den vergangenen Tagen für so viel Aufregung gesorgt wie das Wort „Renaturierung“. Doch im Sengsengebirge und Reichraminger Hintergebirge weiß man, was es bedeutet: Der Nationalpark Kalkalpen wurde erst durch Renaturierung zum Paradies für Tourismus, Tier- und Pflanzenarten. Direktor Josef Forstinger versteht aber die Ängste.
„Der Nationalpark Kalkalpen ist ein erfolgreiches Renaturierungsprojekt“, sagt Nationalparkdirektor Josef Forstinger. Die Wälder wurden lange von der Eisenindustrie genutzt – „und sind der Natur wiedergegeben worden.“
Heute ist die Politik stolz auf die Entscheidung, über 20.000 Hektar Waldgebiet 1997 zum Nationalpark zu erklären. Rund 15.000 Hektar davon sind Biotopschutzwald und gelten als Österreichs größte zusammenhängende Waldwildnis.
Wildnis ist klimafitter
„Die Natur sich selbst zu überlassen, ist die höchste Form des Schutzes, den wir der Natur geben können“, erklärt der Biologe Erich Weigand. Der Natur ihre Dynamik zu lassen, bedeutet hier, Totholz (tote Stämme) liegen zu lassen, der Borkenkäfer gilt als Beschleuniger für den Umbau hin zum klimafitten Wald. Einige nach Unwettern zerstörte Forststraßen wurden nicht mehr hergestellt, an anderen Stellen dürfen Bäche wieder natürlich mäandern.
Nationalpark Kalkalpen: 20.856 Hektar Fläche, 89 % sind Naturzone.
Renaturierung: landwirtschaftlich und industriell genutzte Flächen und Gewässer werden wieder naturnah, um das Ökosystem – das Netz des Lebens – zu stärken.
Je mehr Arten, desto stabiler
Mehr als 10.000 Tier- und Pflanzenarten leben heute im Nationalpark, ein bedeutender Genpool zur Sicherung der Biodiversität und damit zur Stabilisierung unseres Ökosystems, in dem wir alle leben.
Ich hoffe, dass mutige Renaturierungsschritte weiterhin möglich sind. Die Frage ist: Inwieweit passiert das mit Anreiz oder Druck?
Josef Forstinger ist seit Jänner 2023 Direktor des Nationalparks
Warum ist der politische Wind gegen Renaturierung so rau?
„Die Angst vor dem Druck auf den einzelnen Grundeigentümer oder -nutzer ist riesengroß“, analysiert Forstinger. „Hier bedarf es eines intensiven Diskussions- und Überzeugungsprozesses, um die geeigneten Ziele und Maßnahmen für Österreich zu formulieren.“
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