Salzburger Stadtarchiv

Restaurator bringt altes Stadtgesetz in Schuss

Salzburg
01.06.2024 15:30

In der Werkstatt von Christian Moser im Archiv der Stadt Salzburg stapeln sich Kostbarkeiten wie die „Stadt- und Polizeiordnung“ aus dem Jahr 1524, die er gerade restauriert.

Christian Moser blättert in dem Dokument, das Erzbischof Kardinal Matthäus Lang am 18. Juli 1524 erlassen hatte. Das gute Zusammenleben in der Stadt wurde festgeschrieben: Von Regeln für Bettler bis zu Vorschriften für Löhne, Arbeitszeiten oder Zölle. Selbst die Müllentsorgung ist in gotischer Minuskelschrift festgehalten. Im Herbst gibt es zu dem Gesetz eine eigene Tagung.

Zeit setzte dem alten Dokument arg zu
Der Zahn der Zeit nagte schon recht an der alten Stadtordnung. Es zeigen sich Gebrauchs- und Käferspuren. Der Restaurator beseitigt Bruchstellen und erneuert den Ledereinband.

Das alte Stadtgesetz stammt aus dem 16. Jahrhundert. (Bild: Tröster Andreas)
Das alte Stadtgesetz stammt aus dem 16. Jahrhundert.

Über seinen Tisch gingen bereits viele Schätze: Skizzen von Michelangelo bis zu Mozarts Notenblättern oder Kaiserurkunden aus dem Mittelalter waren schon darunter. Vom Pergament bis zur Buchschließe, die Goldschmiedearbeit war, ist jedes Material bei ihm in professionellen Händen. Unvergessen bleiben auch Lehrjahre in der Bibliothek des Vatikans.

Einblicke in der Restaurator-Werkstatt
Am früheren Archiv-Standort war der Start noch bescheiden: „Als Lichtschutz hatten wir damals braunes Backpapier an den Fenstern.“ Seine Werkstatt an der Glockengasse ist jetzt optimal ausgerüstet. Herkömmliches Werkzeug wie Pinsel oder Falzbein liegen bereit. Maschinen wie das Anfasergerät, wo er Wasser und Papierfaserbrei einfüllt, wurden eigenes für ihn angefertigt. Die große Kunst dabei? Spezialisten wie Christian Moser müssen beim Reparieren der Bögen das Gespür für die richtige Dimension mitbringen. Außerdem hat er die Klimasteuerung für 13 Kilometer Regale in der Hand.

Kunstfertigkeit ist in seiner Branche genauso wie Handwerkstalent gefragt. „Früher war die Geisteshaltung anders“, sagt Moser, „es war nicht von Work-Life-Balance die Rede. Man wollte die beste Arbeit machen.“

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