Vor 150 Jahren wurde in Gallneukirchen mit dem Diakoniewerk eine heute österreichweit tätige evangelische Hilfsorganisation geboren.
Die Armut und das Elend waren um das Jahr 1870 nicht nur rund um die damalige Mühlviertler Marktgemeinde und heutige Stadt Gallneukirchen allgegenwärtig. Unbetreute ältere und auch behinderte Menschen waren vielerorts hilflos auf sich alleine gestellt und führten, so wie auch verwahrloste und vernachlässigte Kinder, meist ein armseliges Leben.
Pfarrer Ludwig Schwarz und seiner Frau sei Dank
Das begann sich im Jahr 1871 zu ändern, als der evangelische Pfarrer Ludwig Schwarz und seine Ehefrau Cäcilia aus Görz im heutigen Italien nach Gallneukirchen übersiedelten und angesichts des Elends Erkrankte und Bedürftige in ihrer Pfarrwohnung pflegten.
In der Neujahrsnacht 1872/73 beschlossen Ludwig Schwarz und sein Bruder Ernst, ebenfalls ein evangelischer Pfarrer, mit einigen Freunden, darunter die Gräfin Elvine de La Tour, einen „Evangelischen Verein für Innere Mission“ zu gründen, den die kaiserliche Statthalterei in Linz am 3. Jänner 1873 auch genehmigte – das war die Geburtsstunde des Diakoniewerks.
Unverheiratete Frauen im Dienste der Nächstenliebe
Erste Aktivitäten waren die Errichtung eines Waisen- und Rettungshauses in Weikersdorf in der Gemeinde Alberndorf und die Anwerbung von Schwestern für die Betreuung und Pflege.
Gesucht wurden unverheiratete Frauen, die bereit waren, als Diakonissen im Dienste der Nächstenliebe ein zölibatäres Leben für die vielen Menschen, die Hilfe benötigten, zu führen.
Als Diakonissen der ersten Stunde gelten Elise Lehner aus Gumpolding und Elisabeth Obermeir aus Thening. Sie wurden nach dreijähriger Ausbildung in der Krankenpflege, der Betreuung von Menschen mit Beeinträchtigung und Kindern in Stuttgart 1877 in Gallneukirchen „eingesegnet“, wie das bei den Diakonissen genannt wird.
Ein Mutterhaus, das seit 1909 viel Freude bereitet
1909 eröffneten die Diakonissen in Gallneukirchen ihr heutiges „Mutterhaus“, das den biblischen Namen „Bethanien“ trägt, in dem die Schwestern während des Ersten Weltkriegs ein Lazarett einrichteten.
Der Zulauf von jungen Frauen war bis nach 1945 groß und hatte mit 250 seinen Höchststand.
Doch die letzten Schwestern traten 1963 ein, darunter die heute 87 Jahre alte letzte Oberin Helga Sikora. Seit vielen Jahren ist das Diakoniewerk zur Gänze in weltlichen Händen.
Max Stöger
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