Fast die Hälfte aller Einzelunternehmen in der Steiermark ist in Frauenhand - Tendenz steigend. Chefetagen großer Firmen sind indes immer noch klar männlich dominiert. Großen Aufholbedarf sehen steirische Unternehmerinnen bei der Kinderbetreuung.
„Bereits 31.382 steirische Unternehmen sind in weiblicher Hand - über 300 mehr als noch vor einem Jahr. Eine tolle Entwicklung, denn der Weg in die Selbstständigkeit ist auch der Weg zu mehr Gleichstellung“, sagt Gabi Lechner, Vizepräsidentin der steirischen Wirtschaftskammer, anlässlich einer aktuellen Kammer-Umfrage unter heimischen Unternehmerinnen.
Kinderbetreuung als große Herausforderung
Diese bewerten die derzeitige Entwicklung ihres Unternehmens großteils durchaus positiv. Die Ergebnisse sind deutlich optimistischer als in vergleichbaren Umfragen, wo das Geschlecht keine Rolle spielt.
Als größte Herausforderung nennt aber immerhin ein Viertel der befragten Frauen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. „Es mangelt immer noch an Kinderbetreuungsplätzen, die Steiermark ist da leider Schlusslicht“, so Lechner.
Das ist nicht nur ein gesellschaftspolitisches Thema, sondern ein Wirtschaftsfaktor, wir brauchen jede verfügbare Frau am Arbeitsmarkt, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken
Gabriele Lechner, Vizepräsidentin WK Steiermark
Bei Gleichstellung ist noch Luft nach oben
Auch bei der Gleichstellung zwischen Mann und Frau gibt es Aufholbedarf: Ein Großteil der Unternehmerinnen gibt an, dass sich dahingehend in den letzten Jahren nicht viel verbessert hat. „Das ist nicht nur ein gesellschaftspolitisches Thema, sondern ein Wirtschaftsfaktor, wir brauchen jede verfügbare Frau am Arbeitsmarkt, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken“, sagt die Wirtschaftskammer-Vizechefin.
Große Einigkeit herrscht bei den Befragten darüber, dass Selbstständigkeit die Gleichstellung vorantreibt. Dahingehend tut sich auch einiges: Im letzten Jahr waren 55 Prozent aller neu gegründeten Einzelunternehmen in weiblicher Hand. Insgesamt sind aktuell knapp die Hälfte aller steirischen Einzelunternehmen weiblich. Die Top-Drei Berufszweige, in denen Frauen sich selbstständig machen, sind Personenbetreuung, Direktvertrieb und Humanenergetik.
Chefetagen immer noch in Männerhand
So erfreulich der Gründerinnen-Boom in diesen Segmenten ist, die Chefetagen großer Konzerne sind weitgehend immer noch von Männern dominiert. „In den Vorstandsetagen von börsennotierten Unternehmen besetzen Frauen nur 19 von 212 Chefsesseln, in den Aufsichtsräten sind nur 9,5 Prozent Frauen vertreten“, erklärt Gabi Lechner.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.