Von der Landwirtschaft über die Raumplanung bis zur Jägerschaft: In einem bundesweit einzigartigen Pilotprojekt werden Wiesen und Wälder über Einzelinteressen hinweg aufgewertet und miteinander vernetzt.
Radochen bei Straden. Was für die einen nur ein Pünktchen auf der Landkarte darstellt, bedeutet für andere den Nabel der Welt: „Die Blauracke ist sehr heikel bei der Auswahl ihres Lebensraumes. Leider ist der Vogel in der Steiermark immer seltener geworden, zuletzt konnten wir gar kein Exemplar mehr nachweisen“, sagt Helmut Ulf Jost, Ökologe bei der steirischen Agrarbezirksbehörde.
Win-win-Situation
Um die Spezies von der roten Liste zurück in die grüne Wiese zu bekommen, hat man sich für die einstige Wahlheimat des schönen Vogels Großes vorgenommen: Auf einer Fläche von knapp 300 Hektar radiert man alle Grenzen aus und zeichnet diese im Sinne des Naturschutzes komplett neu. Und zwar so, dass es letztlich für alle passt: „Natürlich müssen die Grundbesitzer - die meisten sind Landwirte - allesamt zufrieden sein“, betont Jost.
Dies könne man recht einfach durch geordnete, schlüssige Grenzziehungen erreichen: „Durch sinnvolle Zusammenlegungen sparen sich die Bauern Arbeitszeit und Düngemittel - und damit Geld“, sagt der Experte. „Jeder ist ein Gewinner.“
Naturschutz-Landesrätin Ursula Lackner, LH-Stv. Anton Lang (beide SPÖ), Franz Titschenbacher (Präsident der Landwirtschaftskammer), Landesjägermeister Franz Mayr-Melnhof-Saurau, Landesnaturschutzbeauftragter Christian Mairhuber, Bernd Osprian vom Städtebund sowie Martin Ozimic vom Gemeindebund unterzeichneten am Montag den neuen Bündnisvertrag „NaturVerbunden“. Das breite Bündnis, das in dieser Form einzigartig in Österreich ist, strebt die bessere Vernetzung von Naturräumen in der Steiermark an. Damit will man den rasanten Artenverlust stoppen.
„Jeder ist ein Gewinner“
Ein breiter Schulterschluss aus Naturschutz, Landwirtschaft, Jägerschaft, Gemeinde- und Städtebund sowie Raumplanung soll in einem österreichweit einzigartigen Projekt Naturräume wie jenes in Radochen aufwerten beziehungsweise einzelne grüne Inseln miteinander verbinden: „Dies ist vor allem für den genetischen Austausch von Tier- und Pflanzenarten von zentraler Bedeutung“, freut sich Naturschutzlandesrätin Ursula Lackner (SPÖ) als Initiatorin über den gelungenen Pakt.
Drei steirische Pilotregionen werden in den kommenden Wochen nominiert, zudem Fördergelder zur Vernetzung von Biotopen bereit gestellt. Details kann man auf der neuen Infoplattform www.naturverbunden-steiermark.org in Erfahrung bringen.
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