„Wenn ihr dies lest …“

Tote bittet um Spenden, sammelt fast halbe Million

Ausland
20.11.2023 14:21

In einem herzzerreißenden Social-Media-Posting verkündete eine 38-jährige Mutter aus Brooklyn, New York, ihren eigenen Tod. Doch nur damit wollte sie nicht aus dem Leben gehen - posthum bat sie in einem Hilferuf um Spenden. Sie sorgte so für einen kleinen Geldregen, um die teils horrenden medizinischen Schulden von Krebspatienten zu tilgen.

Erst vergangene Woche starb Casey McIntyre an Eierstockkrebs der vierten Stufe - zuvor arrangierte sie aber noch, dass ihr Ehemann die vorbereitete Botschaft publik machte. „An meine Freunde: Wenn ihr dies lest, bin ich verstorben“, leitete sie den Text ein.

„Ich habe jeden einzelnen von euch von ganzem Herzen geliebt und ich verspreche euch, dass ich wusste, wie sehr ich geliebt wurde“, schrieb der 38-Jährige.

Aufruf wird zum vollen Erfolg
„Um mein Leben zu feiern“, bat sie dann um Spenden: Es gäbe nämlich zu viele Menschen, die keinen Zugang zu guter medizinischer Versorgung hätten. Betroffen seien Menschen mit geringem Einkommen, Menschen, die sich tief verschulden müssten, um ihre Krankenhauskosten zahlen zu können.

Sie habe daher arrangiert, dass man mit einer Spende an die gemeinnützige Organisation RIP Medical Debt beitragen kann, die Betreuungskosten für Menschen zu übernehmen, die sich diese niemals leisten könnten. Der Aufruf wird zum vollen Erfolg: Nur kurz nachdem ihr Ehemann, Andrew Rose Gregory, die Nachricht veröffentlicht hatte, übertraf die Kampagne schnell ihr eigentliches Ziel von 20.000 US-Dollar (ca. 18.300 Euro).

Kosten verhindern vielversprechende Behandlung
Mittlerweile sind sogar über 430.000 Dollar (ca. 393.500 Euro) zusammengekommen. Gregory erklärte, seine Frau sei gut krankenversichert gewesen und habe im Memorial Sloan Kettering Cancer Center eine hervorragende Behandlung erhalten. Trotzdem sah sich das Ehepaar mit einigen „erschreckenden“ Gebühren für Papierkram konfrontiert, sagte er.

„Was mich und Casey beeindruckt hat, ist die Tatsache, dass es gute Krebsbehandlungen gibt, die sich die Menschen nicht leisten können“, sagte er. „Anstatt von einer Heilung für Krebs zu träumen, könnten wir doch einfach den Menschen helfen, die von den medizinischen Schulden erdrückt werden.“

11 Millionen mit mehr als 2000 Dollar Schulden
Patienten können im US-Gesundheitssystem schnell hohe Rechnungen anhäufen, die sie in die Verschuldung treiben, selbst wenn sie versichert sind. Dies gilt vor allem für Menschen, die ins Krankenhaus eingeliefert werden oder wegen chronischer Gesundheitsprobleme regelmäßige Pflege oder Rezepte benötigen.

Eine Analyse von Regierungsdaten durch gemeinnützige Organisationen aus dem Jahr 2022 schätzt, dass fast jeder zehnte Erwachsene in den USA mindestens 250 Dollar an medizinischen Schulden hat. Unter den insgesamt rund 23 Millionen Menschen sind 11 Millionen, die mehr als 2000 Dollar (1830 Euro) Schulden.

Tochter Grace ist erst 18 Monate alt - sie wird ohne ihrer Mutter aufwachsen müssen. (Bild: AP/Andrew Rose Gregory)
Tochter Grace ist erst 18 Monate alt - sie wird ohne ihrer Mutter aufwachsen müssen.
Dieses Familienfoto zeigt Casey McIntyre mit ihrem Ehemann, Andrew Rose Gregory, weniger als eine Woche vor ihrem Tod. (Bild: AP/Emily Wood)
Dieses Familienfoto zeigt Casey McIntyre mit ihrem Ehemann, Andrew Rose Gregory, weniger als eine Woche vor ihrem Tod.

Bekam „Bonussommer“, konnte aber nicht alles zu Ende bringen
McIntyre, die als Buchverlegerin arbeitete, wurde seit 2019 wegen Eierstockkrebs behandelt. Im vergangenen Jahr verbrachte sie etwa drei Monate im Krankenhaus, so ihr Ehemann. Nachdem sie bereits im Mai fast verstorben wäre, begann das Ehepaar aus Brooklyn mit der Planung ihrer Gedenkfeier. McIntyre verbrachte die letzten fünf Monate in häuslicher Hospizpflege, was ihr, wie Gregory es nennt, einen „Bonussommer“ bescherte.

Sie unternahm Strandausflüge und verbrachte Zeit mit ihrer Familie, darunter auch mit ihrer 18 Monate alten Tochter Grace. „Casey war am Ende ihres Lebens sehr, sehr krank, und sie konnte nicht mehr alles zu Ende bringen, was sie wollte“, sagte Gregory. „Aber ich wusste, dass sie diese Gedenkfeier und diese Spendenaktion machen wollte. Also habe ich das organisiert und ... es so gemacht, wie ich dachte, dass sie es gewollt hätte.“

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