Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht: Während Eltern durch die neue Förderung für Kinderbetreuung deutlich finanziell entlastet werden, fürchten sich die betroffenen Betreuer aber schon vor dem Ruin. Das bringt Tageseltern auf die Barrikaden.
Für Eltern hui, für die Betreuer pfui – so lässt sich die neue Förderrichtlinie für private Einrichtungen zur Kinderbetreuung zusammenfassen. Wer seine Kinder nämlich bei Tageseltern unterbringt, erhält vom Land nun 3,75 Euro pro Stunde zurück. Im Gegenzug ist das Salär der Betreuer künftig aber mit 5 Euro gedeckelt. Im Gegenzug zur institutionalisierten Betreuung in den Kindergärten kann der Stundensatz auch nur verrechnet werden, wenn die Kinder tatsächlich anwesend sind. Im Krankheitsfall zahlen die Tagesmütter und -väter also drauf.
Grüne üben scharfe Kritik, ÖVP kontert
Kein Wunder also, dass es politische Kritik gibt, so sprechen etwa die Grünen von einem „Aushungern“ der privaten Betreuer. Die neue Regelung würde dazu führen, dass viele diesen Beruf aufgeben werden. Die ÖVP kontert, dass die Richtlinien gemeinsam mit Hilfswerk und Caritas - sie sind Trägerorganisationen für rund 80 Prozent der Betroffenen in Niederösterreich - erarbeitet wurden. Und man betont, dass sich Eltern im Gegenzug mehrere hundert Euro im Monat an Betreuungskosten ersparen würden.
Bei den niedrigen Stundensatz frage ich mich, wer sich den Job als Tagesmutter in Zukunft noch antun will. Angestellte verdienen mehr.
Minou Unger-Muck, Tagesmutter in Baden
Tagesmütter sind verzweifelt
Im Gespräch mit der „Krone“ erklärt Ines Strobel aus Gablitz im Wienerwald: „Tagesmutter zu sein ist kein Hobby. Es ist mein Job, den ich nach reiflicher Überlegung, entsprechender Ausbildung und Kündigung meines sicheren alten Jobs als Selbstständige ausübe.“ Die Deckelung auf 5 Euro empfindet sie nicht nur als Abwertung ihres Berufes, sie sei außerdem existenzbedrohend.
Auch die Mödlinger Tagesmutter Barbara Rappl äußert schwere Bedenken: „Mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen betreuen wir zum Beispiel auch Kinder, die mit der Gruppengröße einer normalen Krippe überfordert sind.“ Kleine Gruppe bringen aber natürlich nicht viel ein – nach Abzug aller Kosten und Steuern bleibt für die „privaten Kindergärtnerinnen“ also kaum genug zum Leben.
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