17.11.2011 14:31 |

"Unpassende Worte"

Blatter sorgt mit Rassismus-Aussage für Empörung

FIFA-Präsident Joseph Blatter hat am Mittwoch mit Aussagen über Rassismus für Empörung gesorgt. Vor dem Hintergrund der Rassismusvorwürfe in der englischen Premier League gegen John Terry und Luis Suarez sagte der Schweizer in einem Interview mit CNN: "Ich würde das in Abrede stellen. Das ist kein Rassismus." Der dunkelhäutige englische Teamverteidiger Rio Ferdinand reagierte entrüstet.

Terry, dem Kapitän der englischen Nationalmannschaft und von Chelsea, wurde zuletzt vorgeworfen, Queens-Park-Rangers-Spieler Anton Ferdinand - den Bruder von Rio - in einem Spiel rassistisch beleidigt zu haben. Am Mittwoch erhob der englische Fußballverband zudem Anklage gegen Liverpool-Spieler Suarez, weil der Uruguayer Manchester-United-Verteidiger Patrice Evra verunglimpft haben soll.

Blatter: "Unpassende Worte"
Blatters Fazit: Es handle sich um "unpassende Worte und Gesten", am Ende des Spiels müsse ein Handschlag stehen. "Es ist vielleicht ein Spieler gegen den anderen, er verwendet ein Wort oder eine Geste, die nicht die korrekte ist", so Blatter. "Aber auch der, der davon betroffen ist, sollte sagen, dass es ein Spiel ist. Wir sind in einem Spiel, und am Ende des Spiels schütteln wir einander die Hände."

Rio Ferdinand zeigte sich empört über Blatters Kommentare. "Ich fühle mich dumm dafür, geglaubt zu haben, dass Fußball eine führende Rolle gegen Rassismus einnimmt", ließ der Manchester-United-Verteidiger über Twitter wissen. Er sei erstaunt über die Aussagen des FIFA-Präsidenten und bezeichnete Blatters Kommentar als "so herablassend, dass es fast schon lächerlich ist".

Zu Klarstellung genötigt
Blatter sah sich schließlich zu einer Klarstellung genötigt. "Meine Aussagen sind falsch verstanden worden", sagte der Schweizer. "Was ich sagen wollte, ist, dass du als Fußballer während eines Spiels zahlreiche 'Kämpfe' mit deinen Gegnern hast, und manchmal werden falsche Dinge getan. Aber normalerweise entschuldigst du dich am Ende des Spiels, wenn du eine Konfrontation hattest, man schüttelt einander die Hand, und wenn das Spiel aus ist, ist es aus."

Gewerkschaft: "Blatter muss gehen"
Die englische Spielergewerkschaft forderte Blatter am Donnerstag zum sofortigen Rücktritt auf. "Er hat damit eine Grenze überschritten und sollte seinen Hut nehmen. Seine Aussagen zeigen, dass er nicht mehr zeitgemäß ist", sagte Gewerkschaftschef Gordon Taylor. Blatter solle das Amt dem französischen UEFA-Präsidenten Michel Platini übertragen. "Wenn jemand gegen Rassismus sein sollte, dann der Chef der FIFA mit ihren über 200 Mitgliedsländern. Und wenn er es nicht ist, muss er gehen", so Taylor.

Der Schweizer habe bereits unglückliche Aussagen zu anderen Themen wie Homosexualität und Frauenfußball gemacht. "Außerdem sind die Korruption, die Vergabe von FIFA-Turnieren sowie die Weigerung, technische Hilfsmittel zuzulassen, weitere Punkte, die für einen Wechsel sprechen", kritisiert Taylor.

Auch die Anti-Rassismus-Vereinigung "Kick it Out" meldete sich in der Debatte zu Wort. Die Kommentare des FIFA-Präsidenten würden ein "beunruhigendes Defizit an Führungsqualität" des 75-jährigen Schweizers ausweisen.

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